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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

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Gruppe VII. Metall-Industrie. 
ken ist das Zinngefäss durck die Porcellanschale verdrängt worden, 
bedeutender dagegen ist die Verwendung verzinnter Eisengescbirre 
und zinnerner oder innen verzinnter Köhren geworden. Was für Waa- 
ren von Zinn heute noch eine Bedeutung haben, sind entweder ver 
zinnte Kupfer- oder Eisengefässe, oder es sind die wenigen gegossenen 
Stücke, die wir noch gebrauchen, besonders aber die Zinnfolien und die 
daraus gefertigten Flaschenkapseln. 
Erstere sind zum Theil schon bei den Eisenarbeiten sowie den 
Kupferwaaren beschrieben worden. Was die Ausstellung bot, war die 
gewöhnliche Marktwaare, hier seien noch die sich durch ihre brillante 
Verzinnung auszeichnenden Löffel von F. J. Schneider in Neudeck 
in Böhmen erwähnt. Besser waren Zinngiesserarbeiten und Röhren 
fabrikation erschienen. Ganz geschmackvolle Arbeiten in beschlage 
nen Trinkgeschirren und anderen Gefässen hatte X. Kreittmann in 
München ausgestellt, weniger schöne aber ganz solide Waare J. H. E. 
Ramm in Plauen. 
Zinnerne Formen für den Gebrauch von Kuchenbäckern, Condi- 
toren, Chokoladefabrikanten, für Gefrorenes und dergleichen fanden 
sich von Jean B. M. Guay in Paris und J. G. Normann in Nürn 
berg, welcher Letztere auch Gypsabgüsse der Formen mitausgestellt 
hatte. Die Fabrikation dieses Artikels, der an Stelle kupferner, ver 
zinnter Formen tritt, ist erst in neuerer Zeit an wenigen Orten auf 
genommen worden und gebührt Normann das Verdienst, einer der 
Ersten darin gewesen zu sein. Röhren von Zinn und Bleiröhren mit 
zinnerner Einlage hatte in vortrefflicher Qualität die bekannte Firma 
J. Th. Stroof Nachfolger in Cöln a. R. gebracht. 
Der Stanniol oder die Zinnfolie wird nur selten aus reinem Zinn, 
meist aus stark bleihaltiger Legirung verfertigt. Früher in ähnlicher 
Weise wie das später zu besprechende Blattmetall durch Hämmern 
dargestellt, wird derselbe jetzt meist gewalzt. Die Grösse der so er 
zeugten Blätter ist dadurch natürlich erheblich gewachsen und waren 
auf der Ausstellung Folien von colossaler Grösse zu sehen. 
Der hauptsächlichste Absatz des Stanniols findet an die Spiegel- 
beleger statt und ist die Fabrikation desselben oft mit dem Belegen 
vereinigt. Ausserdem wird sehr viel feine Glanzfolie zum Verpacken 
von Seifen, Pommaden, Chokolade, Bonbons etc. verbraucht. Leider 
ist hier der bedeutende Bleizusatz der Folie sehr bedenklich, wie der 
Unfug, Taback, besonders saure Schnupftabacke, in stark bleihaltige 
Zinn- wenn nicht gar in reine Bleifolie zu verpacken, vom sanitäts 
polizeilichen Standpunkte die grösste Aufmerksamkeit verdient. Ver 
fasser hat Mitte der sechsziger Jahre in Nürnberg ein Opfer der Blei 
vergiftung durch Schnupftaback längere Zeit zu beobachten Gelegen 
heit gehabt und kann nicht umhin, an dieser Stelle seiner Meinung
	        
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