Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit, 227
herrlichen Kunstwerken, welche die feinfühligen Griechen uns Unterlassen.
Mit Hilfe einiger Dorfgoldschmiede, welche in den entlegenen Thalern
der Appenninen, den alten Traditionen getreu, ruhig und vom Strome
der Zeiten unberührt für- ihr kleines Publicum weiter gearbeitet hatten,
gelang Castellani bei dem eminenten Nachahinungstalent der
Italiener das Copiren der alten Fundstücke überraschend und sehr bald
brach sich das neue antikisirende Genre über die Grenzen seines Vaterlandes
hinaus Bahn, sogar die französische und englische Bijouteriefabrikation
beeinflussend. Die unendlich mühsame, feine und saubere
Bearbeitung des Metalls, lediglich durch die Hand, ist nach dieser
bestimmten Richtung hin entschieden als mustergiltig zu bezeichnen,
doch ist das sklavische Festhalten an antiken Vorbildern, wobei
man nicht nur das Beste, sondern geradezu Alles copirt, nicht nur
griechische, auch römische, etruskische aus allen, auch den Zeiten des
Verfalls, durchaus nicht gutzuheissen. Auch die Nachahmung byzantinischer
Formen bei Schmucksachen kann nicht als ein glücklicher Gedanke
bezeichnet werden und dürfte den Gesetzen der Tektonik nicht
entsprechen. Wenn es sich aber darum handelt, zu zeigen, was durch
geschickte Hand mit gutem Willen geleistet werden kann, dann dürfen
diese Arbeiten, wie sie in Wien zu sehen waren, als Beleg hingestellt
werden.
In Spanien ist es ebenso das Aufnehmen der seit dem 17.
Jahrhundert erloschenen Arbeit des Tauschirens von Eisen- und Stahlgegenständen,
welche früher durch die Araber nach Spanien verpflanzt
worden war, nach der Niederwerfung der Mauren aber durch ihre
christlichen Besieger ebenso wie noch manches andere Schätzbare in
Kunst und Wissenschaft vernichtet wurde.
Das Einschlagen dünner und schmaler Gold- und Silberstreifen
und Fäden auf gerauhter Fläche ist zwar vor dem 16. Jahrhundert
auch in Italien, Deutschland und Frankreich ausgeführt worden, seitdem
jedoch sogut wie vergessen. Der Orient allein, vorzugsweise Persien
liefern uns noch heute vortreffliche alte Arbeiten dieser Art. In
Spanien ist nun der Präsident der Akademie, Zuloaga, seit einer Reihe
von Jahren mit seinen zwei Söhnen bemüht gewesen, die Arbeiten in
geschnittenem, durchbrochenem und getriebenem Eisen, mit Gold- und
Silber eingelegt, streng nach den Formen der alten Tradition herzustellen
und hat sich dadurch besonders in Madrid und Toledo eine
ganze Industrie herausgebildet, welche wirklich Stücke ersten Ranges
liefert. Die Zeichnung, „Arabesken“, wie man sie am bezeichnendsten
nennt, hebt sich prächtig mit ihren hellen Farben in Gold und Silber
von dem schwarz matt gemachten oder stahlblauen Eisen ab. Auch
diese Technik hat gerade wie die vorherbesprochene Castellani’s in
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