Section IV. Waaren aus anderen Metallen etc.
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Arbeiten von Jos. Grüllemeyer, welche sich durch vortreffliche
Modellirung und sorgfältige Arbeit auszeichnen. Mit Galanteriewaaren
in Bronze ist David Hollenbach in Wien zu nennen, dessen Waaren
in Gruppe X. ausgestellt waren, ebenso die von Lerl&Söhne, welche
zum Theil in Galvanoplastik ausgeführt sind. Eine sehr grosse An
zahl von Bronzewaaren verwendet die Wiener Portefeuille- und Leder-
waarenfahrikation und zeigten die Vitrinen dieser Aussteller manches
Schöne. Zuweilen aber auch prävalirt die Bronzearbeit daran in
einer Weise, welche allen Grundsätzen der Tectonik Hohn spricht.
Neben der farbigen Decoration mit echtem Email als Gruben-
und Zellenschmelz, wie sie bei den bis jetzt genannten Ausstellern zu
sehen war, zeigen die Wiener Bronzearbeiten auch solche mit farbigen
Lacken, sogenanntem kalten Email, und unechtenSteinen. Dieses Genre
ist besonders von Lerl gepflegt worden. Eine besondere Eigenheit
ist noch ein dunkles Stahlgrau, welches mit Antimon und Arsen er
zeugt wird und sehr schöne Politur annimmt; es ähnelt in der Tiefe
der Farbe dem Blutstein, dessen man sich zum Poliren bedient. Wir
fand diese Färbung nur an den österreichischen Bronzen.
Im Ganzen betrachtet darf man der Wiener Industrie in dieser
Branche eine gute Zukunft verheissen. Schon jetzt zeigt sie durch
ihre Anlehnung an die Formen des 16. Jahrhunderts reinere und
schönere Gestaltungen als die französische gleiche Industrie, welche
sich, wenigstens in den vergoldeten Bronzen, fast ausschliesslich an
Vorbilder aus dem 18. Jahrhundert zu halten scheint und einen oft
ziemlich barocken Charakter trägt. Auch von den Effecthasehereien,
wie die erwähnten Statuen von gestreiftem Onyx und Bronze mit
emaillirten Lippen und Augen, die fliegenden Bachantinnen als Gas-
candelaber auf Marmorsäulen, hat sich die österreichische Industrie
bisher fern gehalten.
Russland. Die russischen Bronzearbeiten sind, wie kaum anders
zu erwarten, noch zu keiner selbstständigen nationalen Entwickelung
gelangt, sondern zeigen unverkennbar französischen Einfluss und fran
zösischen Geschmack. Besonders zeigt sich das in der Anwendung vergol
deter Bronzetheile zur Verzierung von allerhand Gegenständen aus Mala
chit und Lapis lazuli, wie sie in reichster Fülle vorhanden waren, unter
Anderem sind ein Tisch und zwei Candelaber von Adolf Morand in
St. Petersburg zu erwähnen. In Bronzeguss haben wir nur FelixSchopin
in St. Petersburg zu nennen, dessen riesiger Thürflügel für die Erlöser
kirche zu Moskau die Aufmerksamkeit fesselte. Gut ausgeführt waren
seine zahlreichen Statuetten, verschiedene Volkstypen des weiten Rei
ches darstellend, bei welchen aber die feine Ausarbeitung durch ein
fast rauchschwarzes Aeussere verdeckt wurde.