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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

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Gruppe YIL Metall-Industrie. 
Frankreich, England und Oesterreich (Bätsche in Wien) Nachahmung 
gefunden und war auf der Ausstellung in prachtvoller Weise vor 
Augen geführt. 
In derselben Art zeigt die dänische Goldschmuckfabrikation, 
vorzugsweise durch Christesen in Copenhagen vertreten, neben dem 
dominirenden Einfluss der durch Thorwaldsen eingeführten antiken 
Formen das Bestreben, durch Nachahmung der Hünengräberfunde auf 
altnordische Motive und Formen sich zu stützen. 
Auf völlig anderer Grundlage ruhend, in ganz anderen Zuständen 
finden wir dagegen in Deutschland die sonderbare Erscheinung förm 
licher Goldschmiedestädte, ohne Tradition, ohne Verbindung mit dem 
Ort, ganz zufällig entstanden. Dass hier natürlich ganz andere Ein 
flüsse sich geltend machen und in Folge dessen himmelweit verschiedene 
Besultate zu Tage kommen, wird Niemanden wundern. Ohne Vorbild, 
ja ohne Kenntniss dessen, was als mustergiltig überhaupt gelten soll, 
entfernt von den Centren des Verkehrs entwickelten sich diese Fabrik 
orte eben in rein technischer und kaufmännischer Weise. Es wird das 
vielfach nicht beachtet und ohne Weiteres über sie und ihre Producte 
in einseitigster Weise der Stab gebrochen. Nun, Eines schickt sich 
nicht für Alle, vielleicht trägt eine kurze historische Schilderung der 
Entwickelung eines solchen Fabrikortes dazu bei, das Gewordene durch 
das Werdensehen verstehen und würdigen zu lernen. 
Die Pforzheüner Goldwaarenindustrie verdankt ihre Entstehung 
der im Jahre 1767 erfolgten Gründung einer Uhrenfabrik durch J. F. 
Autran aus Orange im Dauphine und seinen Associes A. Christin 
und F. Viola im Waisenhause zu Pforzheim unter erheblicher Bei 
hilfe des damaligen Markgrafen Carl Friedrich von Baden. Das 
Unternehmen kam schnell in Flor, so dass noch in demselben Jahre 
Autran dem Markgrafen den Plan zur Ausdehnung des Geschäfts 
auf die Fabrikation von Juwelierarbeiten, Goldschmucksachen und fei 
nen Stahlwaaren vorlegte. 
Das nöthige Capital von mindestens 30 000 fl. sollte durch Actien- 
zeichnungen aufgebracht werden, doch fand das Unternehmen bei der 
Bevölkerung trotz aller bewilligten Vergünstigungen so wenig Anklang, 
dass der Markgraf allein aus Staatsmitteln die erforderliche Summe 
liefern musste. Hindernisse mannigfacher Art, wie das Verschwinden 
des mit grossen Kosten gewonnenen technischen Leiters der Fabrik, 
Misshelligkeiten unter den drei Unternehmern, führten schon 1768 eine 
Trennung in zwei Geschäfte herbei, indem Autran die Fabrikation 
feiner Stahlwaaren, Christin und Viola aber die der Uhren und 
Schmucksachen betrieben. Erstere bestanden in Uhrketten, Uhrschlüsselnj 
Schnallen, Knöpfen u. s. w., während die letztgenannten Fabrikanten 
nicht nur Uhren und Uhrenbestandtheile, sondern auch Stockknöpfe, 
Armbänder, Berloquen, Hemdknöpfe etc. in Gold und emaillirt, mit und
	        
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