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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

354 Gruppe VII.* Metall-Industrie. 
Die Blattmetall- und Bronzefarbenfabrikation, wie sie 
in Nürnberg und der Nachbarschaft, besonders auch in Fürth betrie 
ben wird, war durch eine Collectivausstellung repräsentirt. Dieselbe 
umfasste zwar nicht die volle Zahl aller in genannten Orten bestehen 
den Geschäfte, jedoch waren mehrere der bedeutendsten Fabriken in 
würdigster Weise vertreten. Um von der gesäumten, ganz eigentüm 
lichen Industrie ein möglichst vollständiges Bild zu geben, war auch 
die Herstellung von Blechen und Drähten in den gröberen Nummern 
einerseits, sowie andererseits die der feinsten Sorten und der soge 
nannten leonischen Drähte, nebst den daraus hergestellten besondeien 
Fabrikaten mit der Blattmetall- und Bronzefarbenfabrikation vereinigt 
worden. 
Die verschiedenen Anwendungen des dünngeschlagenen Goldes, 
welche in früherer Zeit weit bedeutender waren als jetzt, Hessen schon 
Ende des vorigen Jahrhunderts den Ersatz des theuren Materiales durch 
das billige, das zu dünnen Blättern geschlagene Messing- und Tomback 
blech, anstreben. Dem geschlagenen Blech gab man dann oft, um die 
Schönheit der Farbe hervorzubringen, noch einen Ueberzug von Gold- 
firniss. Wahrscheinlich ist die Fabrikation in Fürth und in Lechhau 
sen bei Augsburg entstanden und erst von da nach Nürnberg verpflanzt. 
Sie ist auch heute noch in Fürth bedeutender als hier. Eine wesent 
liche Verbesserung des Productes wurde in den zwanziger Jahren durch 
Einführung der englischen Goldschlägerhäutchen erreicht. 
Die ganze Fabrikation ist ausschliesslich Handarbeit und haben 
nur einige grössere Fabriken für die ersten Bearbeitungsprocesse, wie 
Walzen und Vorschlägen, Dampf- oder Wasserkraft in Anwendung ge 
bracht. So wünschenswerth es scheint, eine Arbeit, welche in stunden 
langem Schlagen mit 5 bis 15 Pfund schweren Hämmern besteht, 
durch Maschinen verrichten zu lassen, so sind doch alle Versuche nach 
dieser Richtung fehlgeschlagen und behaupten die Betreffenden die Un 
möglichkeit des Ersatzes der Handarbeit. Die Messinglegirung, welche 
verarbeitet wird, ist nicht immer die gleiche, vielmehr werden verschie 
dene Farben vom reinen Kupferroth bis zu Blass- oder Grüngelb her 
gestellt. Die Verarbeitung ist aber für alle Nüancen dieselbe und be 
steht in Folgendem: Die in Graphittiegeln geschmolzene Legirung 
wird in halbrunde Barren oder „Stengel“ von etwa 60 cm Länge, G/s 
bis 2 cm Breite und 1 cm Dicke gegossen und dann zu einem langen, 
2 cm breiten und etwa papierdicken Bande kalt ausgewalzt. Dieses 
Band wird nun zu einem 60 cm langen Pack zusammengebunden und 
unter einem Zainhammer zu einem 4 cm breiten Bande geschlagen. 
Nach dem Ausglühen wird es ebenso bis zu 6 cm Breite, nach einem 
zweiten Glühen zu 9 bis 10 cm Breite ansgeschlagen. Zur Entfernung 
des Glühspanes wird das Band in verdünnter Schwefelsäirre abgebeizt, 
gewaschen, in Weinsteinlösung blank gesotten, gewaschen, gebürstet
	        
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