Section IV. Waaren aus anderen Metallen etc. 355
und rasch getrocknet. Nun wird das Band zerschnitten und die ein
zelnen Stücke, zu Packen von 1000 bis 2000 Stück aufeinandergelegt,
unter dem Zainhammer weiter gestreckt. Nach abermaligem Zerschnei
den folgt die letzte Maschinenarbeit, indem die Blätter zwischen Per
gament gelegt, unter dem Quetsch- oder Lothhammer auf circa 15 cm
im Quadrat ausgeschlagen werden. Dies sind die sogenannten „Lothe“,
welche nun von den Handschlägern, behufs noch weiterer Verfeinerung
übernommen werden. Die-feineren Sorten Nr. 3 und 4 werden
sogar zweimal zwischen Pergament mit dem Lothhammer geschlagen
oder „gelöthet“.
Jedes Blatt Metallloth wird nun in vier Theile zerschnitten und,
zwischen Goldschlägerhaut gelegt, zur vierfachen Grösse des ursprüng
lichen Blattes ausgetrieben.
Die Goldschlägerhäutchen, zwischen welchen die Metallblätter
weiter ausgeplattet werden, sind aus der inneren Haut von Rindsdär
men verfertigt. Ihre Herstellung ist im Kunst- und Gewerbeblatt für
Bayern 1867, Bd. 45, S. 674 beschrieben. Als Ambos dienen grosse
Stücke des dolomitischen Kalksteines, wie er in der östlichen Nachbar
schaft Nürnbergs alle Höhen krönt. Er gehört geognostisch dem weis-
sen Jura an. Dieser Kalkstein ist ausserordentlich zähe und hart, so
dass der Hammer mit hellem Klang davon zurückspringt. Die Häm
mer wiegen 5 bis 15 Pfund und haben convexe Bahnen.
800 bis 1000 Blatt solcher Goldschlägerhäutchen bilden eine
Form. Zwischen dieselben kommen die Metallblätter zu liegen, oben und
unten je sechs Pergamentblätter, dann wird das Ganze in Pergament
eingebunden und geschlagen. Das Schlagen geschieht abwechselnd mit
der rechten und linken Hand, wobei die freie Hand die Form dreht
und wendet. Zuerst wird ein 5 bis 10 Pfund schwerer Hammer etwa
eine Stunde lang angewendet, dann folgt das Ausschlagen mit 10- bis
ISpfündigen Hämmern etwa zwei Stunden lang. Dabei erhitzt sich
die Form bedeutend, so dass die Häutchen nach dem Herausnehmen
der Metallblätter einer besonderen Behandlung durch warmes Pressen
unterliegen, um ihre Glätte und Brauchbarkeit zu behalten. Um das
Anhaften des Metalls an den Häutchen zu verhindern, stäubt man
dasselbe mit Gyps, sogenanntem „Braun“, ein. Das Einlegen und Her
ausnehmen der Form dauert wieder einige Stunden, so dass im Durch
schnitt nur zwei Formen pr. Tag fertig werden. Diese Arbeit wird
ausschliesslich von Mädchen verrichtet. Auf je einen schlagenden Ge
hilfen kommt eine Einlegerin, welche auch das Beschneiden der fer
tigen Blätter und das Einlegen derselben in kleine Büchlein aus Seiden
papier, welches mit Englischroth eingerieben ist, besorgt. Jedes solche
Büchlein enthält 21 bis 25 Metallblätter, 12 Büchlein machen ein Buch
von 252 bis 300 Blatt, welches in einfacher Papierenveloppe mit noch
etwas altfränkischer Aufschrift die fertige Waare darstellt.
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