356
Grnppe VII. Metall-Industrie.
Der Umfang der Fabrikation ist sehr bedeutend, in Fürth sind
ganze Gassen ausschliesslich von Metallschlägern bewohnt, aus jedem
Hause tönt das tactmässige Fallen der Hämmer. Wir zählen 151 Metallschlägereien
mit 1 bis 10 Gehilfen und ebensovielen Einlegerinnen,
22 Meister, welche echtes Gold und Silber schlagen, und 17 bedeutendere
Firmen, für welche die obengenannten und noch andere Meister
in benachbarten Städten und Dörfern schlagen.
In Nürnberg finden wir sechs bedeutendere Firmen, 29 Metallschlägermeister
und 42 Schlägereien für echtes Gold und Silber. Eine
dieser letzteren beschäftigt bis gegen 100 Arbeiter in und ausser dem
Hause.
Das Walzen, Zainen und Löthen geschieht meist mit Wasserkraft,
so dass die grösseren Geschäfte an drei, vier oder mehr Orten in Koth,
Schwabach und vielen Dörfern der Umgegend, wo eben Wasserkraft
ist, ihre Walzwerke und Hämmer haben. Das Fertigmachen dagegen
concentrirt sich auf die Städte Nürnberg und Fürth. Der Gesammtumsatz
in diesem Artikel entzieht sich mangels Angaben seitens der
Fabrikanten jeder Schätzung. Für den deutschen Katalog der Wiener
Weltausstellung haben einzelne Firmen ihre Jahresproduction in Blattmetall
(Legirung) auf 32 000, 48 000, 260 000 Gulden, in Blattgold
(echtem) auf 12 000, 130 000 und 200 000 Gulden angegeben und verdienen
diese Zahlen Vertrauen. Gerade die bedeutendsten Geschäfte
haben aber aus naheliegenden Gründen jede Angabe abgelehnt.
Auf die Nebenproduete von dieser Fabrikation, die abfallenden
Ränder der Metallblättchen, die zerrissenen oder sonstwie verdorbenen
Blätter, gründete sich nun die Bronzefarbenfabrikation. Dieser Abfall,
Schawin oder Schabin genannt, wurde erst Mitte des vorigen
Jahrhunderts zur Herstellung von Metallpulver verwendet, jetzt reicht
er schon lange nicht mehr aus, so dass Metall eigens zu Schabin geschlagen
wird, um das Material für die Bronzefarben zu haben. Eine
ausführliche Arbeit über diese höchst eigenthümliche Fabrikation, von
Rud. Wagner, findet sich im Bayer. Kunst- und Gewerbeblatt 1867,
Band 45, Seite 491 ff.
Wir wollen uns hier nur darauf beschränken, zu bemerken, dass
alle anderen Methoden, Metalle und Legirungen zu pulverisiren, keine
günstigen Resultate liefern, weil die feinen Staubtheilchen niemals
Blattform haben, sondern stets eckige oder rundliche Körner sind. Auf
der Blattform der aus Schabin gewonnenen Bronzefarben beruht aber
eben der schöne haltbare Glanz derselben, der sich auf andere Weise
bisher noch nicht erreichen liess.
Das Pulvern des Schabins erfolgt auf eigenthümlichen Mühlen, bei
welchen eine grosse Anzahl Stahlstifte mit abgerundeten Köpfen die
Blättchen auf einer Stahlplatte zerreissen. Eine gröbere Sorte Metallpulver,
Broeat genannt, wird durch gewöhnliche Stampfwerke, deren
I