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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

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Seetion I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit. 
ohne Juwelen, Artikel in Schildkrot mit eingelegtem Gold und Medail 
lons in Email verfertigten. Bald jedoch mussten sie sich auf die Her 
stellung der Uhren beschränken, während sich das Autran’sche 
Geschäft erweiterte und für seine mit Gold garnirten Stahlwaaren bald 
Absatz nach Frankreich und Russland fand. Im Jahre 1769/70 be 
schäftigten beide Fabriken etwa 100 Personen, 1771 aber schon 274. 
Christin und Viola trennten sich schon 1772 mit beträchtlicher 
Ueberschuldung des Geschäftes, die Christin’sehe Uhrenfabrik ging 
trotz aller vom Staate geleisteten Hilfe 1774 ein, das Viola’sche 
Geschäft fristete unter wechselnden Umständen seine Existenz noch 
bis 1808, wurde dann verkauft und von dem Käufer kurz darauf auf 
gegeben. Bald hörte auch Autran mit Uhrenfabrikation auf und 
beschränkte sich auf die Stahl- und Bijouteriewaaren. 1776 traten 
Autran und sein Geschäftsführer Ador aus, da ihnen die verlangten 
grösseren Vortbeile von der Staatsregierung nicht gewährt werden 
konnten, und gründete Ador ein eigenes Geschäft, kaufte jedoch schon 
1778 die alte Fabrik von der Staatsregierung, welche sie mittlerweile 
auf eigene Rechnung fortgeführt hatte. Durch Berücksichtigung des 
jeweiligen Geschmackes brachte er seine Fabrikate in ganz Europa in 
Aufnahme. 1777 setzte eine landesherrliche Verordnung den Fein 
gehalt des verarbeiteten Goldes fest und suchte in jeder Weise den 
Credit der Pforzheimer Fabrikate zu heben und Fälschungen und Ver 
untreuungen vorzubeugen, allein die Fabrikbesitzer konnten sich mit 
der eingeführten Goldcontrole nicht befreunden und zwangen die Regie 
rung nach langen Kämpfen im Jahre 1827, die Fabrikation ganz frei 
zu geben. Nur ein amtlicher Controleur wurde bestellt, welcher auf 
Wunsch die Probe und Abstempelung vornimmt und besteht diese 
Einrichtung bis auf den heutigen Tag. 
Anfang der neunziger Jahre hob sich die Stahlbijouteriefabrikation 
etwas, ging aber bald wieder zurück und überliess der Goldwaaren- 
fabrikation allein das Feld. Bis 1798 war die Zahl der 1 abriken 
bereits auf 26 gestiegen, welche ihre Geschäfte mit wechselndem Erfolg 
führten. Die Zahl der in ihnen beschäftigten Arbeiter betrug 721. 
Der Wochenlohn eines Arbeiters belief sich damals auf 8 bis 30 fl., 
während z. B. ein Wollspinner in der Tuchfabrik kaum 2 fl. verdiente. 
Die folgende Tabelle mag ein Bild von der Entwickelung der 
Pforzheimer Goldwaarenindustrie geben, wie sie sich trotz aller Hin 
dernisse durch Kriege, französische Invasion, Continentalsperre, poli 
tische und Geldkrisen durch die Energie und Umsicht der Fabrikan 
ten immer neue Absatzgebiete schuf und ihre Producte durch immer 
weitergehende Arbeitstheilung und Zuhilfenahme künstlerisch gebilde 
ter Kräfte stetig verbesserte.
	        
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