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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit. 231 
amerika, der dritte für die Türkei und Aegypten, und innerhalb jeder 
dieser Abtheilungen ist der Unterschied so bedeutend, dass die Waare, 
für das eine Land bestimmt, für ein anderes gar nicht zu verwen 
den ist. Eine grosse Gefahr liegt darin, dass dem Consumenten jede 
Garantie für den Feingehalt der Waare mangelt, wenn auch im Allge 
meinen keine geringere Legirung als 13*/i Karat verarbeitet wird. 
Würde Frankreich, welches bis jetzt nur in 18karatigem Golde 
unter staatlicher Controle fabriciren darf, die 14karatige Legirung 
einführen oder den Feingehalt freigeben, so würde dies für Pforzheim 
bedeutende Folgen haben. Die Ansichten der verschiedenen Bethei- 
ligten über eine amtliche staatliche Controle des Feingehaltes oder das 
Verbot gewisser ^egirungen oder die gänzliche Freigabe des Fein 
gehaltes gehen sehr weit aus einander. 
Wie wir sahen sind die Fabrikanten fast immer gegen eine staat 
liche Controle und erblicken in derselben nur ein Geschäftshinderniss. 
Von anderer Seite wird dagegen wieder einer Stempelung der fertigen 
Waare das Wort geredet. Wir wollen hier nur auf zwei interessante 
Arbeiten über den Gegenstand hinweisen, auf Dr. Winkler s Aufsatz 
über „die Zukunft der Goldplattirung“ (Dtsche Ind.-Ztg. 1872, Nr. 43) 
und Dr. Roscher’s Abhandlung über „die gesetzliche Regelung der 
Gold- und Silberverarbeitung“ (Grenzboten 1873 Heft 34 und 35) und 
dabei erwähnen, dass uns Roscher’s Vorschlag von der civil- und 
strafrechtlich zu vertretenden An gäbe des Feingehaltes Seitens des Ver 
fertigers der Waare als der einzig durchführbare und praktische er 
scheint. 
Die wesentlichsten Fortschritte in der Fabrikation sind die bis ins 
Detail gehende Arbeitstheilung und die Einführung des Dampfbetriebes 
zum Walzen, Drahtziehen, Stanzen, Drücken, Schleifen u. s. w., sowie 
die grössere Solidität der Waare gegen früher. Die aus papierdünnem 
Blech gearbeiteten und mit Kitt ausgefüllten Gegenstände, eine wahre 
Schmach der Fabrikation, wahre „Ephraimiten“, beginnen , Gottlob, 
zu verschwinden und soliderer Waare Platz zu machen. Ebenso ist 
ein erfreuliches Streben nach stilvolleren Formen nicht zu verkennen. 
Es ist schon viel nach dieser Richtung geschehen, und wenn wir auch 
recht gut wissen, dass immer noch sehr viel zu wünschen übrig bleibt, 
erinnere man sich, dass aller Anfang schwer ist und der I roducent doch 
auch vom Consumenten abhängig ist. Man verschliesst sich in den 
Kreisen der Fabrikanten und der Arbeiter dieser Erkenntniss durchaus 
nicht und wer die Berichte über die letzte Pariser Ausstellung zur 
Hand nehmen will, der wird auch der Pforzheimer Industrie das 
Zeugniss bedeutsamen und grossen Fortschrittes nicht versagen können. 
Dabei darf hier wohl dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, dass von 
Seiten der Behörden dieses Streben nach künstlerischer Ausbildung 
unterstützt werden möge, besonders durch Schaffung und Erhaltung
	        
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