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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit. 239 
duote erstrecken sich vorzugsweise auf das Gebiet des Tafelgeräthes 
im weitesten Sinne. Die technische Behandlung ist selbstverständlich 
vortrefflich und die Formen zum Theil, unter dem Einfluss des Ken- 
sington-Museums, tadellos. Daneben aber, als wollte die Fabrik zeigen, 
dass sie Alles machen kann, erheben sich die Tafelaufsätze in Gestalt 
von Monumenten, von Palmen und allerlei Farrnkräutern, welche glä 
serne Schalen tragen, die Thiere als Trinkbecher und pompejanische 
Leuchter und Vasen neben solchen im reinsten Baroquegeschmack! 
Die allegorischen Figuren der verschiedenen Preisstücke für Wettrennen, 
Ruderfahrten, Schützenfeste und verdiente Heerführer, die silbernen 
Fahnen sind eben für einen specifisch britischen Geschmack bestimmt. 
Als die Perlen der Ausstellung bezeichnen wir die sogenannte „Helikon 
vase“, einen riesigen Tafelaufsatz, Musik und Poesie verherrlichend, und 
den „Miltonschild“, beide von den ersten Künstlern des Etablissements, 
Morel-Ladeuil und Wi 1ms, ausgeführt. An beiden Stücken ist 
getriebenes Eisen und Silber mit gegossenen Ornamenten und Figuien 
unter Zuhilfenahme der tauschirten Arbeit bei sparsamer V ergoldung 
in die glücklichste Verbindung gebracht. Auch die Anwendung des 
Email zeigt bedeutende Fortschritte und trägt neben der dunkeln 
Oxydirung oder richtiger Schwefelung des Silbers und der Vergoldung 
in verschiedenen Nüancen viel dazu bei, den nüchternen Anblick des 
blanken, weissen Silbergeräthes wohlthätig zu beleben. Es ist zu be 
dauern, dass die vielen Stücke naturalistischen Genres den guten Ein 
druck abschwächen und doch hat gerade diese Nebeneinanderstellung 
ihren besonderen Werth und dürfte bei denkenden Beschauern ihre 
Früchte tragen. Die Firma wurde mit dem Ehrendiplom ausgezeichnet. 
Das eben Gesagte mit Bezug auf Schmuckgegenstände gilt auch 
von Hancocks & Co. Aber der fabelhafte Reichthum an Perlen und 
Edelsteinen, darunter besonders die Diamanten und anderen-Garnituren 
der Lady Dudley, könnten, so sagt man sich unwillkürlich, doch mit 
mehr Geschmack ausgenutzt werden. Die Verwendung von Diamanten 
zur Zusammensetzung von Blättern, Blumen oder Thieren ist eben so 
widersinnig als unvortheilhaft. Die Form verschwindet und man sieht 
nur einen Haufen blitzender Steine. Es scheinen sich die Kunst 
verständigen noch nicht, so weit es nothwendig ist, mit der Stilisirung 
der Schmucksteine und ihrer Fassungen abgegeben zu haben. Was 
letztere anbelangt, kommt dabei natürlich in erster Linie die Form des 
Steines in Betracht, ob Brillant, Rosette oder Tafelstein gefasst werden 
soll. Wenn ein weniger gut geschliffener Stein zur Erhöhung seines 
Feuers auf Folie gesetzt wird, so ist dies ein ganz erlaubtes Mittel, 
während der Brillant immer k jour gefasst werden sollte. Selbst mit 
Tafelsteinen, in Silber gefasst, lässt sich so noch eine gute Wirkung 
erzielen. Doch vergesse man nicht, dass die Fassung stets als unter 
geordnet auftreten soll und nur dazu dient den Stein zu tragen.
	        
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