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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

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Gruppe \ ] I. Metall - Industrie. 
Unter Han cocks’ Arbeiten für Lady Dudley befinden sich einige, 
z. TS. ein Diadem mit Korallen und eines mit Smaragden, in welchen 
nicht diese kindisch rohen Gruppirungen vorwalten und welche bei 
mehr strahlenartiger Anordnung einen viel besseren Eindruck machen. 
G. Franchi & Son imponirten durch den brillanten Ton der Ver 
goldung ihrer galvanoplastischen Reproductionen von Kannen, Schüs 
seln u. s. w. 
Ausserdem waren noch einige Aussteller mit Tafelgeräth, gewöhn 
liche Marktwaare, vertreten. 
Anschliessend an die englische Abtheilung finden wir die Colonien 
dieses Landes, vorzüglich 
Britisch Indien mit auserlesenen Stücken in Edelmetall ver 
treten. Hier erschliesst sich eine ganz andere Welt, die Welt der 
reinen, mühsamen Handarbeit mit ihren unerreichbaren Effecten. Hier 
sind die Beweise, wie wenig das fast am längsten von allen Ländern 
Asiens mit Europa in Verbindung stehende Land dadurch von seiner 
Eigenartigkeit eingebüsst hat. Uralte Traditionen, uralte sociale Ein 
richtungen lassen den Arbeiter noch heute sich derselben Werkzeuge 
bedienen, dieselben Formen in gleicherweise wiedergeben, wie seit 
Tausenden von Jahren. Von höchster Vollendung bei reizvollster 
Zeichnung freilich sind viele dieser Arbeiten, aber es sind immer die 
selben geblieben. Wohl können sie uns als Vorbilder der mannig 
faltigsten Behandlungsweisen des Metalls dienen, aber schwerlich wer 
den wir sie ebenso, d. h. auf dieselbe Weise, herstellen können, so 
wenig wir einen dem indischen nachgebildeten Shawl auf dem primi 
tiven Webstuhl machen werden, dessen sich die Frauen von Kaschmir 
bedienen. Das Merkwürdigste an diesen wirklich echt orientalisch 
märchenhaften Prachtstücken ist aber der Umstand, dass sie nicht Pro- 
duete einer Kunst sind, welche geistlos und planlos nur antike Vorbilder 
copirt, wie wir dies anderswo sehen, sondern der Arbeiter hat sich die 
Principien der Formbildung, der Ornamentik, so zu eigen gemacht, dass 
er beim freien Schaffen gar nicht mehr anders kann als gerade so ar 
beiten wie wir es sehen. Freilich wird wohl, da die Ausstellung nicht 
von den Verfertigern, sondern von der Regierung veranstaltet war, 
Auswahl getroffen worden sein. 
Besonders hervorzuheben sind die Goldschmuckwaaren aus dem 
Pendschah mit ihren prachtvollen Emaillen, die bauchigen Gefässe mit 
engem Halse, über die ganze Fläche mit reizendster Zeichnung ciselirt 
und gravirt, die schwarzen zinnernen und kupfernen Wasserpfeifen, 
mit Silber tanschirt, die zierlichen Silberfiligranarbeiten. Daneben 
fanden sich freilich auch wieder massive, fast plumpe Armringe, Ketten 
in Silber und anderer Schmuck für die Eingeborenen. 
Da fand sich ferner die grosse Menge zierlicher Kästchen, Flasch-
	        
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