Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit. 247
haben, ist von geringer Bedeutung und nicht geeignet, die emschlag-
liehe Industrie des Landes zu illustriren.
Deutschland. Aus dem tiefen Verfall, in welchen die gesammte
deutsche Industrie während des 18. Jahrhunderts gerathen war und
in welchem sie durch die politischen Verwickelungen am Beginn des
jetzigen gehalten wurde, hat sich erst in der langen Friedenszeit seit
1815 eine Hebung, eine Besserung angebahnt.
Das Streben nach fabrikmässiger durch Maschinen geförderter
Herstellung der Waare brachte sehr bald jene Mengen zu Markte,
welche, besonders im Hinblick auf Geschmack und Solidität, eine wahre
Versündigung an der kaufenden Menschheit genannt werden müssen,
eine wie grosse volkswirtschaftliche und commercielle Bedeutung sie
auch haben. Man schoss eben, wie gewöhnlich, über das Ziel hinaus.
Die früher allgemein übliche Vereinigung der Gold- und Silberarbeit
in einem Geschäfte hat fast allenthalben einer Trennung und Specia-
lisirung Platz gemacht.
Die Methoden der Bearbeitung haben dazu in erster Lime Ver
anlassung gegeben. Das Giessen, welches nur schwerere und deshalb
teurere, das Treiben, welches zeitraubend und nur einer beschrankten
Anwendung fähig, deshalb eben auch nur teurere Waare liefert wird
nur selten geübt, das Drücken auf der Drehbank, das Pressen 1 ragen
und Stanzen unter Fallwerk und Prägepresse, das Ausstechen mit
Stempeln und das Walzen traten an deren Stelle und lieferten um so
mehr und um so billigere Waare, als man bemüht war, die Form dem
Arbeitsprocess anzupassen, anstatt umgekehrt und ohne Rücksicht auf
die Anforderungen des Geschmackes und Kunstsinnes diejenigen For
men zu bevorzugen, welche sich am leichtesten und massenhaftesten auf
eine der oben beschriebenen Weisen hersteilen Kessen Da nun Werk
stätten kleineren Umfanges nicht in der Lage sind, sich die verschiede
nen, zum Theil kostspieligen Vorrichtungen, Formen etc. dazu anzu
schaffen, so entstanden eigene Fabriken, welche sich nur mit einer
dieser Arbeiten befassten, wo der Andere dann seinen Bedarf machen
liess und sich nur auf das Zusammenstellen und lertigmachen be
schränkte. Bald fanden es Einzelne vorteilhafter, das Selbstmachen
ganz aufzugeben und sich nur mit dem Verkauf der Fabrikware zu
befassen. So finden wir heute in Deutschland fast überall in den so
genannten Gold-und Silberarbeitern nur Händler, welche ihre couranten
Waaren aus den Fabriken beziehen und sich höchstens mit dem Mon-
tiren der aus der Fabrik bezogenen Bestandteile und mit Repaiaturen
beschäftigen. Eine Ausnahme bilden diejenigen Werkstätten, welc e
unter specieller künstlerischer Mitwirkung grössere Stucke als eigent
liche Kunstwerke ansführen, Arbeiten, die naturgemäss seltener vor-