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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit. 249 
nach der Havana mit 1 299 530 fl., nach Buenos Ayres mit 930 882 fl. 
an. Solche Zahlen haben eben doch auch ihre Sprache. 
„Alle ersten Häuser führten sich an diesen Plätzen mit der billigen 
Waare ein und haben sich bis jetzt so emporgearbeitet, dass selbst 
die reichsten Gegenstände für den Export gearbeitet werden können. 
Ein ähnliches Resultat hat keine andere Nation aufzuweisen und das 
Bemühen der Franzosen, eine Aenderung der Controlgesetze oder die 
Freigabe des Feingehaltes herbeizuführen, ist wohl nur der Ueberzeu- 
gung entsprungen, dass bei längerem Festhalten an den bisherigen 
Grundsätzen der Absatz nach aussen auf ein Minimum beschränkt 
werden dürfte und die deutsche Industrie auf diesem Gebiete die Be 
herrscherin des Weltmarktes werden wird.“ (Ehm.) 
Die deutsche Fabrikation liegt im Allgemeinen entfernt von den 
grossen Städten mit ihren Museen, Kunstschulen und sonstigen Bildungs 
mitteln und der Arbeiter findet nur höchst selten Gelegenheit, seinen 
Geschmack zu entwickeln. Hier ist der Punkt, wo geholfen werden 
kann und muss. 
Diese Massenproduction unseres Vaterlandes war auf der Aus 
stellung durch die drei Collectivausstellungen von Hanau, Pforzheim 
uud Württemberg sehr interessant und ganz würdig repräsentirt. Wollen 
wir kurz die Fehler derselben hervorheben, so dürften diese zunächst 
in dem Mangel an Originalität und künstlerisch richtiger Formen und 
Verzierungen zu finden sein. Deutschland arbeitet zur Zeit noch für 
das grosse Publicum, in welchem eben der ästhetische Sinn noch so 
gut wie nicht vorhanden ist. Dies möge als Entschuldigung ange 
nommen werden, wenn deutsche Gold- und Silberarbeiten vor dem 
Forum des Kunstrichters nicht bestehen können. 
Es möge uns deshalb gestattet sein, bei der Beurtheilung der 
selben einen weniger strengen Maassstab anzulegen. Hat doch kaum 
ein anderes Land, als das, welches die Veranlassung zu der uns noch 
beherrschenden Geschmacksrichtung war, Frankreich, eine ähnlich 
grossartige und umfangreiche Industrie aufzuweisen. 
Zu Section I. stellte Deutschland 133 Aussteller, die grösste Zahl 
aller Länder überhaupt. 
Den Reigen eröffnete die Collectivausstellung von Hanau in der 
Provinz Hessen-Nassau mit 38 Ausstellern. J.F.Backes & Co. wegen 
Theilnahme eines Chefs der Firma an den Berathungen der Jury aus 
ser Preisbewerbung, elf Aussteller mit der Fortschrittsmedaille, fünf 
zehn mit der Verdienstmedaille, sechs mit dem Anerkennungsdiplom 
belohnt, dieses Resultat allein dürfte für sich sprechen. Wir sind nicht 
im Stande, die Leistungen jedes einzelnen Ausstellers zu besprechen, 
sondern wollen nur diejenigen Firmen hervorheben, welche in ihrem 
Fache das Beste leisten. C. Bissinger Söhne zeichneten sich durch 
feine Bijouteriewaaren, Ch. Colin’s Söhne durch Juwelierarbeiten,
	        
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