Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit. 251
hatte, das Monumentale. ln technischer Beziehung haben wir es mit
sehr aherkennungswerthen Leistungen zu thun. Dasselbe, gilt von
Koch & Bergfeld in Bremen und von Arnold Künne in Altena
(Westfalen), wo besonders die lebensgrosse, in Silber getriebene Büste
des deutschen Kaisers zu erwähnen ist. Einen ganz anderen, vielleicht
besseren Charakter, tragen die Arbeiten von München und Nürnberg.
Die Silberarbeiter der ersteren Stadt hatten nur Tischgeräth aufzuweisen,
davon haben Adolph Halbreiter und E. Wollenweber ganz Tüchtiges
und Gutes gebracht.
In Nürnberg ist doch noch Einiges der alten Kunstfertigkeit des
16. Jahrhunderts übrig, welche unter Mitwirkung der dortigen Kunst
schule Tüchtiges und Schönes zu leisten vermag. Zwei Tafelaufsätze
und ein Flaconhalter von Chr. Wi n t er bestätigen dies. Der ersteren
einer emancipirt sich von den stereotypen Formen derartiger Mittel
stücke und stellt sich als goldener, reich verzierter Pokal auf hohem
Postament dar, an welchem in glücklichster Verbindung geschnitztes
Ebenholz mit vergoldeter und versilberter Bronze verwendet sind. Die
besondere Gelegenheit, zu welcher derselbe von v. Kreling entworfen
wurde das 25jährige Jubiläum eines Fabrikbesitzers, rechtfertigt manche
Besonderheiten desselben. Wirklich brillant sind daran Blumengehänge
und ein den Deckel des Pokals krönender Blumenstrauss, aus freier
Hand in Silber gearbeitet, welche den besten ähnlichen Arbeiten Jam-
nitzer’s vielleicht gleichstehen. Dieselbe eminente Technik weisen die
beiden anderen Stücke auf, nur ist der zweite Tafelaufsatz wieder monu
mental gehalten (Germania auf einer Schale, deren Fuss mit den Bildnissen
der Helden des Krieges 1870 bis 1871 geschmückt ist, trägt ein eiförmi
ges Gefäss, aus welchem der Blumenstrauss emporwächst, auf dem Kopfe),
und der reizend aus Filigran gearbeitete Flaconhalter scheint uns für
seinen Zweck etwas zu gross und massig. Es zeigen aber diese Stucke
doch die Möglichkeit, auch bei uns unter künstlerischer Assistenz Schönes
zu leisten. Eine kleine Copie des „Gänsemännchenbrunnens von
Ernst Hohnbaum ist als fleissige Arbeit noch zu erwähnen. Hierher
gehören dann noch die Ausstellungen von Gold und Silber in Blattform.
Diese für Nürnberg und Fürth sehr wichtige Industrie war durch meh
rere bayerische Aussteller (zwei Münchener) vertreten. Die bedeutend
sten davon, Blattgold in allen möglichen Nüancen enthaltend, sind von
G. E. Schaetzler in Nürnberg, welcher jährlich für 200 000 fl. von
diesem Artikel aus Rohmaterial im Werth von 163 000 fl. fabncirt,
L. Spiegelberger von Fürth mit 130 000 fl. Productionswerth aus
108 500 fl. Werth des Materials und J. H. Simmerlein in München
mit jährlich 60 000 bis 70 000 fl. Production.
Einige technische Notizen über diese Branche, welche mit der 1 a-
brikation des unechten Blattmetalles eng zusammenhängt, werden wir
bei dieser in Section 4 anzubringen haben. Hier sei nur noch erwähnt,