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dass eine Specialität derselben die Verfertigung des Plombirgoldes für
Zahnärzte ist.
Von G- Leykauf in Nürnberg waren die zum Poliren der Gold-
und Silberwaaren nnentbehrliehen Blutsteine in sehr reichhaltiger Col
lection nebst ihrem Rohmaterial ausgestellt. Leider hatten dieselben
im Annex II. einen wenig günstigen Platz gefunden. Die Fabrikation
dieser Steine, welche ausserdem nur noch in Paris zu Hauseist und
auch von da in einer kleinen Collection vertreten war, ist eine sehr
schwierige und mühsame. Das Rohmaterial ist der sogenannte rothe
Glaskopf, der strahlige Rotheisenstein oder Hämatit. Derselbe kommt
nur an wenigen Orten der Erde in der für diese Verwendung brauch
baren Form vor und unter mehreren Centnern der Waare, wie sie der
Handel liefert, sind oft kaum einige Pfunde brauchbarer Stein. Die
ausgesuchten Stücke, welche eine sehr dichte, lang- und geradfaserige
Structur haben müssen, werden durch geschicktes Spalten mit dem Ham
mer annähernd in die Form gebracht, welche der fertige Polirstein
haben soll; die eigentliche Formung erfolgt durch Schleifen auf Sand
steinen, das Feinschleifen mit Schmirgel. Die sogenannte Hirnseite der
Fasern ist es allein, welche die für den Gebrauch nöthige Härte hat
(nach der mineralogischen Scala ist der Härtegrad 6, also schon här
ter als glasharter Stahl). Dieser Fläche, welche aufs Sorgfältigste und
Mühsamste auf gänzliche Abwesenheit aller Risse, Sprünge oder Poren
untersucht werden muss, wird nun die höchst möglichste Politur gege
ben, die den Stein tiefglänzend schwarz erscheinen lässt. Je schöner diese
Politur ist, desto brauchbarer zum Poliren ist der Stein. Leykauf
erhielt für seine Leistungen, welche ihres Gleichen nicht hatten, die
F ortschrittsmedaille.
Oesterreich-Ungarn. Bei Weltausstellungen scheint der ent
gegengesetzte Grundsatz zu walten als in der Ausübung der Gastfreund
schaft. Während man im gewöhnlichen Lehen seinem Gaste das bessere
Zimmer emraumt und sich selbst mit den geringeren, beschränkteren
Räumlichkeiten begnügt, hatte der gastliche Staat, welcher die Weltausstel
lung veranstaltete, sich selbst den Löwenantheil des Platzes Vorbehalten.
Die österreichisch-ungarische Abtheilung umfasste im Industrie
palast den Raum wie alle bisher besprochenen Staaten mit Ausnahme
des amerikanischen und Englands, also den des ganzen übrigen Europas
ohne Russland. Glänzend und prächtig trat das grosse Reich uns
entgegen, man sah, dass weder Kosten noch Mühe gescheut worden
waren, um Oesterreichs bedeutende Industrie ins günstigste Licht zu
setzen. Einzelne Parthien der Ausstellung waren geradezu blendend,
wie z. 1«. die der österreichischen Glasindustrie. Doch auch unsere
Gruppe VII. war, begünstigt durch grosse Raumentfaltung und Massen-
haftigkeit des Ausgestellten, imposant.