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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

252 Gruppe Vit Metall-Industrie. 
dass eine Specialität derselben die Verfertigung des Plombirgoldes für 
Zahnärzte ist. 
Von G- Leykauf in Nürnberg waren die zum Poliren der Gold- 
und Silberwaaren nnentbehrliehen Blutsteine in sehr reichhaltiger Col 
lection nebst ihrem Rohmaterial ausgestellt. Leider hatten dieselben 
im Annex II. einen wenig günstigen Platz gefunden. Die Fabrikation 
dieser Steine, welche ausserdem nur noch in Paris zu Hauseist und 
auch von da in einer kleinen Collection vertreten war, ist eine sehr 
schwierige und mühsame. Das Rohmaterial ist der sogenannte rothe 
Glaskopf, der strahlige Rotheisenstein oder Hämatit. Derselbe kommt 
nur an wenigen Orten der Erde in der für diese Verwendung brauch 
baren Form vor und unter mehreren Centnern der Waare, wie sie der 
Handel liefert, sind oft kaum einige Pfunde brauchbarer Stein. Die 
ausgesuchten Stücke, welche eine sehr dichte, lang- und geradfaserige 
Structur haben müssen, werden durch geschicktes Spalten mit dem Ham 
mer annähernd in die Form gebracht, welche der fertige Polirstein 
haben soll; die eigentliche Formung erfolgt durch Schleifen auf Sand 
steinen, das Feinschleifen mit Schmirgel. Die sogenannte Hirnseite der 
Fasern ist es allein, welche die für den Gebrauch nöthige Härte hat 
(nach der mineralogischen Scala ist der Härtegrad 6, also schon här 
ter als glasharter Stahl). Dieser Fläche, welche aufs Sorgfältigste und 
Mühsamste auf gänzliche Abwesenheit aller Risse, Sprünge oder Poren 
untersucht werden muss, wird nun die höchst möglichste Politur gege 
ben, die den Stein tiefglänzend schwarz erscheinen lässt. Je schöner diese 
Politur ist, desto brauchbarer zum Poliren ist der Stein. Leykauf 
erhielt für seine Leistungen, welche ihres Gleichen nicht hatten, die 
F ortschrittsmedaille. 
Oesterreich-Ungarn. Bei Weltausstellungen scheint der ent 
gegengesetzte Grundsatz zu walten als in der Ausübung der Gastfreund 
schaft. Während man im gewöhnlichen Lehen seinem Gaste das bessere 
Zimmer emraumt und sich selbst mit den geringeren, beschränkteren 
Räumlichkeiten begnügt, hatte der gastliche Staat, welcher die Weltausstel 
lung veranstaltete, sich selbst den Löwenantheil des Platzes Vorbehalten. 
Die österreichisch-ungarische Abtheilung umfasste im Industrie 
palast den Raum wie alle bisher besprochenen Staaten mit Ausnahme 
des amerikanischen und Englands, also den des ganzen übrigen Europas 
ohne Russland. Glänzend und prächtig trat das grosse Reich uns 
entgegen, man sah, dass weder Kosten noch Mühe gescheut worden 
waren, um Oesterreichs bedeutende Industrie ins günstigste Licht zu 
setzen. Einzelne Parthien der Ausstellung waren geradezu blendend, 
wie z. 1«. die der österreichischen Glasindustrie. Doch auch unsere 
Gruppe VII. war, begünstigt durch grosse Raumentfaltung und Massen- 
haftigkeit des Ausgestellten, imposant.
	        
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