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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit. 261 
bringt den Gegenstand hierauf in verdünnte Salpetersäure, wo sich die 
Farbe vorerst auflöst und dann eine Aetzung in die Oberfläche des 
Metalls erfolgt, die man bis zu einer gewissen Tiefe vorschreiten lässt. 
Nach Beendigung der Aetzung wäscht man den Gegenstand in viel 
Wasser um und verbringt ihn sofort in ein Silber- oder Goldbad, wo 
durch die Wirkung des Stroms die entblösten Stellen sich wieder 
mit Metall ausfüllen. Man entfernt nunmehr den Firniss vollständig 
und schleift die ganze Oberfläche glatt, so dass das gefällte Ornament 
mit dem übrigen Körper ohne überzustehen oder vertieft zu liegen in 
einer Ebene verläuft. Die Contouren sind ziemlich scharf. Alsdann 
wird die Bronzirung der Körperoberfläche vorgenommen, wodurch sich 
der Ton des Silbers oder Goldes jedoch nicht ändert. Eine besonders 
schöne Wirkung wird noch dadurch erzielt, dass einzelne Theile der 
Körperfläche zwischen den Silberornamenten durch Schwefelkupfer 
schwarz bronzirt werden. Auf einem kupfernen Gefäss finden sich 
dann die drei Töne Weiss und Schwarz als Zeichnung und das ange 
nehme Braunroth des Kupferoxyduls als Grund. Dieses neue Verfahren 
der Metallbronzirung hat die Christofle’sche Fabrik erst seit der 
Pariser Ausstellung 1867 zur Ausführung gebracht; die in Wien vor 
gezeigten Stücke lassen den hohen Grad der Vollendung erkennen, zu 
welchem die Technik bereits ausgebildet worden ist. Die Fabrik cul- 
tivirt die Sache in dem Grade, dass sie besondere Zeichner beschäftigt, 
die in dem neuen Stile entwerfen. Die zahlreichen Gegenstände der 
Wiener Ausstellung wie das umfangreiche Musterbuch mit trefflichen 
Photographien geben einen Begriff davon, wie weit das Verfahren 
bereits in künstlerischem Sinne ausgebeutet worden ist. Leider sind die 
Artikel in dem Grade kostspielig, dass sie nur Wenigen zugänglich 
sind; immerhin ist ihr Preis viel niedriger, wie der der tauschirten 
Arbeiten. Unter dem technischen Gesichtspunkte erfordert die Her 
stellung der Incrustationen ausser Kenntniss des Verfahrens einen hohen 
Grad manueller Geschicklichkeit und Geduld, aber keine besondere 
kostspielige Fabrikeinrichtung mit dazu gehörigem Apparat von Ma 
schinen; in jeder Gürtlerwerkstätte findet sich das zu dieser reinen 
Handarbeit erforderliche Werkzeug. Die Pflege dieser Technik 
erscheint uns deshalb als ein würdiger Gegenstand des eigentlichen 
Kunsthandwerks. 
Als ein weiterer neuer Versuch durch galvanischen Farbenton die 
Oberfläche der Metallgeräthe zu verschönern, zwar nicht an Tragweite 
dem eben besprochenen Verfahren gleichzustellen, ist der partielle 
Niederschlag von Legirungen anzusehen, den Christofle & Co. auf 
manchen Stücken zur Anwendung gebracht haben. Namentlich erzeugen 
sie durch Rothgold (Gold und Kupfer) und Grüngold (Gold und Silber) 
sehr schöne Effecte, sowohl auf reingoldenem wie reinsilbernem Grund, 
wenn gewisses Relief damit versehen wird. Der Farbenton wird ein-
	        
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