Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit. 263
gewendete Bad, bestehend aus schwefelsaurem Eisenoxydul und Sal
miak, wird heute noch benutzt. Das galvanische Eisen hat die meik-
würdige Eigenschaft, hart wie Stahl und sehr spröde zu sein; in grösseren
Dicken vermochte man es ursprünglich nicht niederzuschlagen. Bei
der Pariser Ausstellung von 1867 überraschte J. Eeuquieres die
Besucher durch grosse Niederschläge massiven Eisens, ganz von der
Beschaffenheit des galvanischen Kupfers, nur war die Krystallisation
auf der Kückseite etwas verschieden. Die Erzeugung dieser Nieder
schläge wurde als Geheimniss behandelt. Die in die Oeffentlichkeit
gelangenden Versuche Anderer stellten späterhin fest, dass ein schwa
cher Strom, völlige Neutralität des Bades und ein grosser positiver
Pol (Anode) die Bedingungen für die Herstellung eines guten Nieder
schlags bilden; an dem negativen Pole (Kathode), wo sich das Eisen
ausscheidet, darf sich kein Gas entwickeln. Die Vergrösserung des posi
tiven Pols erreicht man durch Verbindung der Eisenplatte mit einem
Eisendrahtbündel (V a r r e n t r a p p), oder mit einer Kupferplatte (Klei n).
In Wien trat der massive Eisenniederschlag ganz in den Hintergrund.
Es fand sich bloss ein Aussteller davon, die kaiserlich russische
Expedition zur Anfertigun g der Staatspapier e in St. Peteisburg.
Dieselbe brachte einige kleinere Teller und dergleichen von tadelloser
Ausführung; sie hatte ausserdem Versuche gemacht, Druckplatten in
galvanischem Eisen herzustellen, und sollen dieselben einen über
raschenden Erfolg gehabt haben, indem sich mehr als hunderttausend
gleich gute Abdrücke gewinnen Hessen, ohne dass die Platten nur die
geringste Abnutzung zeigten. Es scheint uns dies eine der Beachtung
und weiteren Verfolgung werthe Anwendung des massiven Eisenmeder
schlags; die Herstellung von Kunstindustriegegenständen aus Eisen
ist doch wohl nur mehr als Curiosität aufzufassen, denn einem Bedürf
nis zu entsprechen, da man in Kupfer viel leichter und billiger ohne
Batterie arbeitet, die darauf anzubringenden Bronzetöne schon und
mannigfaltig sind, eventuell nichts hindert, durch einen nachträglichen
Nickelüberzug das Aussehen des Eisens zu erzeugen, ohne doch damit
den Gegenstand der Gefahr des Kostens auszusetzen. _
In der ebengenannten kaiserlich russischen Expedition
wird die Galvanoplastik überhaupt im vielfältigsten Sinne zur Herstel
lung von Druckplatten ausgeübt. Es musste wahrhaft überraschen, zu
vernehmen, dass es dieser Anstalt gelungen war, gravirte Platten, Hil
den eigentlichen Kupferdruck oder Tiefdruck bestimmt, nach der geo
graphischen Methode in solche für den Buch- oder Hochdruck uberzu
führen ; die ausgestellten Copien, die das Bild in rechter wie linker
Stellung darstellten, konnten jedoch an der Thatsache keinen Zweifel
lassen und zeigten zugleich, in welcher Vollendung das Verfahren aus
geübt wird. Nur darin ist ein Unterschied wahrzunehmen, dass der
Hochdruck etwas blasser ist, wie der Tiefdruck. Wie nicht anders zu