Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

268

Gruppe  VII.  Metall-Industrie.
sinn,  im  physikalischen  und  chemischen  Verhalten.  Die  eigentliche
Versilberung,  welche  sich  auf  Hausgeräthe  der  mannigfaltigsten  Art
erstreckt,  wird  gegenwärtig  in  einem  ganz  ausserordentlichen  Maassstab ­
  betrieben  und  ist  industriell  und  commerciell  jedenfalls  die  bedeutendste ­
  Anwendung,  welche  die  Galvanoplastik  erfahren  hat;  das
in  diesem  Verfahren  jährlich  consumirte  Silber  beträgt  mehrere  Millionen ­
  Thaler.  Der  Gebrauch  silberner  resp.  versilberter  Tafelgeräthe
greift  immer  mehr  um  sich,  der  verhältnissmässig  geringe  Preis  derselben ­
  macht  die  Verwendung  des  appetitlichen  edlen  Metalls  auch
beschränkteren  Mitteln  möglich;  gleichzeitig  wird  vieles  brachliegende
todte  Capital  der  massiven  Geräthe  in  Freiheit  gesetzt,  nachdem  sich
auch  der  Bemittelte  von  der  Gleichwerthigkeit  des  mit  einem  nur
dünnen  Ueberzug  versehenen  unedlen  Metalls  überzeugt  hat.  Die
bedeutendsten  europäischen  Firmen  waren  auf  der  Ausstelhmg  erschienen ­
  und  würdig  repräsentirt.  Unter  denselben  haben  wir  wieder  in
erster  Linie  zu  nennen  die  Firma  Christofle  &  Co.  in  Paris,  mit
ihrer  Filiale  in  Karlsruhe.  Die  Erzeugnisse  derselben  bestehen,  wie  bei
den  meisten  anderen  ähnlichen  Etablissements,  aus:  Löffeln,  Gabeln,
Messern,  Salzfässern,  Huiliers,  Kaffee-,  Thee-  und  Milchkannen,  Kaffeebrettern ­
  und  anderen  Untersätzen,  Flaschenstöpseln,  Schüsseln,  Tafelaufsätzen ­
  der  verschiedensten  Art,  Leuchtern,  Lampenfüssen,  Vasen,
Kesseln,  Eiskühlern  etc.  etc.  Seit  einigen  Jahren  hat  die  Fabrik  in
dem  Sinne  eine  Veränderung  mit  ihrem  Fabrikat  getroffen,  als  sie
statt  der  ursprünglich  gelblichen,  messingartigen  Grundmasse  eine
weisse,  neusilberartige  anwendet.  Nach  Abnutzung  des  Silbers  hebt
sich  der  Grund  im  letzteren  Falle  weniger  ab  und  lässt  sich  das  Geräth
  noch  längere  Zeit  ohne  Störung  fortgebrauchen;  allerdings  ist
die  dann  exponirte  Untergrundfläche  dem  Angriff  durch  die  Speisen
ausgesetzt  und  eine  Vermengung  der  letzteren  mit  giftigen  Kupfersalzen ­
  nicht  undenkbar.  Dies  war  auch  der  Grund,  warum  Christofle
&  Co.  anfänglich  die  gelbe  Legirung  anwendeten,  um  dadurch  gerade
auf  die  Blosslegung  des  Metalls  aufmerksam  zu  machen  und  gewissermaassen
  eine  Neuversilberung  zu  erzwingen.  Die  Gefahr  für  die
Gesundheit  ist  jedoch  unzweifelhaft  sehr  gering,  die  Absicht,  wie  man
sich  vielfach  an  abgenutzten  und  doch  noch  im  Gebrauch  gebliebenen
Geräthen  überzeugen  kann,  wurde  nicht  erreicht  und  so  sah  sich  die
Fabrik  in  der  Lage,  dem  Beispiel  anderer  Anstalten  zu  folgen,  und
die  Versilberung  auf  Neusilber  vorzunehmen.  Für  die  galvanisch  versilberten ­
  Neusilbergeräthe  sind  besondere  Bezeichnungen  üblich  geworden: ­
  in  Berlin  bezeichnet  man  dieselben  als  Alfenide,  in  Wien
als  Alpacca  oder  Chinasilber.
Das  nächst  bedeutendste  Etablissement  auf  dem  Gebiete  der  galvanischen ­
  Versilberung  ist  wohl  die  Fabrik  von  Elkington  &  Co.  in
Birmingham;  ihr  Auftreten  in  Wien  war  ein  durchaus  grossartiges.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.