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Full text: Metall-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 15

Section I. Gold- und Silberarbeit, Juwelierarbeit. 271 
der Zunahme begriffen, wenn dieselbe auch bei Herstellung unechter 
Schmucksachen aus Bronze in den letzten Jahren in Misscredit gekom 
men ist. Die Verführung liegt hier zu nahe, durch einen Hauch von 
Gold ein glänzendes Schaustück für den Verkauf zu machen, das nach 
kurzem Gebrauch seinen unedlen Grund hervortreten lässt, ja auch bei 
längerem Liegen im Laden schon durch Anlaufen seine Genngwerthig- 
keit verräth. Man ist darum wieder vielfach nach dem Beispiel von 
Paris auf das Plaque zurückgekommen und hat solche Waaren als 
Talmigold bezeichnet; dieselben können unter einer gewissen lange 
Dauer versprechenden Goldstärke überhaupt nicht hergestellt werden. 
Gleichwohl kann auch bei echten Goldarbeiten die galvanische V er- 
goldung nicht mehr entbehrt werden, da sie dazu dient, das fertige 
Stück rasch zu färben und dadurch die früheren umständlichen chemi 
schen Methoden entbehrlich macht; durch Zusatz von Kupfer oder 
Silber zu dem Goldbad können verschiedene Farbentone, mehr in das 
Roth oder in das Grünliche erzeugt werden. Die Vergoldung wird ausser 
hei eigentlichen Schmucksachen auch vielfach decorativ angewendet, 
sowohl zur Bekleidung ganzer Stücke, wie partiell. Was das letztere 
anlangt, so wurde schon oben das Beispiel von Christofle erwähnt; 
dass silberne oder versilberte Trinkbecher in der Regel innen ver 
goldet werden, ist bekannt, der Glanz des hochgelben Goldes präsentirt 
sich nirgends schöner als in solcher Höhlung. Als Beispiele über die 
ganze Fläche sich erstreckender Vergoldung dienen die Wiener Bron 
zen , welche fast sämmtlich mit einem halbmatten Gold bedeckt sind, 
wie es sich auf einer gebeizten Messingoberfläche so schön ausscheidet. 
Die eigentlichen oxydirten Bronzetöne, in denen die Franzosen so 
grosse Meister sind, kommen hier gar nicht zur Anwendung , wurden 
übrigens auch zu der eigenthümlichen Richtung, die mehr ein Mach 
ornament ist ohne figurale Compositionen, zumeist nicht passen Km 
weiteres Beispiel ganzflächiger Vergoldung zeigen die Uhrgehäuse, 
die ihrer Grundmasse nach in der Regel von Zink, nach vorausgegan 
gener doppelter Verkupferung (erst im Cyankaliumbad, dann im 
Kupfervitriolbad) ihre schöne gelbe Färbung erhalten, bei der das 
feinste Matt mit dem blendendsten durch den Polirstahl erzeugten 
Glanz harmonisch wechselt. Bei guter Ausführung hat solche Ver 
goldung eine lange Dauer. Paris führte diese Richtung ein, gegen 
wärtig wird sie auch in Deutschland, besonders auf dem Schwarzwald, 
gepflegt. Die Actiengesellschaft für Uhrenfabrikation m 
Lenzkirch hatte bei ihrer reichen Uhrenausstellung auch eine Anzahl 
solcher noch immer Pariser genannten Uhren. Die Zinkgehause der 
selben stammen übrigens thatsächlich von Paris; nur die Vergo düng 
sowie das Uhrwerk sind Schwarzwälder Erzeugnis. Ist der Zinkguss 
in Deutschland, besonders in Berlin, auch sehr entwickelt so vermag 
doch die deutsche Kunstindustrie bis jetzt noch nicht die passenden
	        
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