Section II. Eisen- und Stahlwaaren.
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darin gearbeitet. Das Giessen von Fagonstücken in Stahl hat bekannt
lich erst seit Einführung des Bessemerprocesses eine Bedeutung gewon
nen. Vorzugsweise ist das hierher gehörige Material in den Gruppen I.
und XIII. ausgestellt gewesen und hat dort zum Theil seine Besprechung
gefunden. Wir wollen hier nur die Gussstahlglocken von Bochum
erwähnen. Die Blech- und Drahtfabrikation hat in den letzten Jahren
keine durchgreifenden Aenderungen erfahren, als dass in immer aus
gedehnterem Maasse jede Handarbeit auch im Kleinbetriebe durch
Maschinenarbeit ersetzt wurde. üeberhaupt ist das Kleingewerbe in
dieser Branche fast ganz verschwunden und hält sich , abgesehen von
gewissen, später zu besprechenden Specialbranchen, wie die Herstellung
des allerdünnsten Messingbleches, des unechten Blattgoldes und die
Fabrikation leonischer Drähte, wohl nur noch an sehr wenig Orten am
Leben. Die Grossindustrie hat sich des ganzen Gebietes, und nicht
zum Schaden der Producte, bemächtigt. In ungeheurer Zahl werden
aber noch aus unseren Materialien eine Menge von Gegenständen des
täglichen Gebrauches verfertigt, welche zu ihrer Vollendung einer gan
zen Reihe verschiedener Bearbeitungen bedürfen. Es sind das beson
ders die Kurzwaaren aus Eisen und Stahl, die verschiedenen Werkzeuge,
die Haushaltungsgegenstände und einige kleinere Maschinen.
Die möglichst billige und schnelle Herstellung derselben ist der
Gegenstand steter Aufmerksamkeit der Fabrikanten und Constructeure,
wahrhaft grossartig ist der Scharfsinn und die geistige Kraft, welche in
Verbesserung des Fabrikationsmodus, der Maschinen, der Werzeuge
aufgeboten wird. In diesen Massenartikeln excellirt Deutschland neben
England und Oesterreich. Wir rechnen hierher die Stahlfedern, Nadeln
aller Art, Messer und Scheeren, Nägel und Schrauben, Drahtgewebe
und andere Drahtwaaren, wie Haken und Oesen, und die Schlosser
arbeiten, die Feilen und Sägen, Bohrer und andere Werkzeuge. Von
Haushaltungsgegenständen können wir hier nur die gegossenen oder
gedrückten Kochgeschirre und Aehnliches sowie die Kochherde rechnen.
Letztere werden einer besonderen Besprechung unterliegen. Das
Programm der k. k. Generaldirection giebt uns für die Reihen
folge der Betrachtung der hierher gehörigen Waaren keinen Anhalt
und werden wir deshalb eine Art Schema aufstellen müssen, indem wir
zuerst die Eisengusswaaren betrachten, dann die Arbeiten aus Schmiede
eisen und die aus Stahl anschliessen und die Artikel aus Blech und
Draht sowie die Kurzwaaren folgen lassen. Den Schluss bilden die
häuslichen Heizapparate, von Herrn Prof. Dr. Meidinger besprochen.
Im Allgemeinen betrachtet, repräsentirte sich die Eisen- und Stahl
industrie trotz ihrer durch den Ausstellungsplan bedingten Zersplit
terung aufs Imposanteste und sind besonders einzelne englische, fran
zösische und österreichische Ausstellungen als äusserst instructiv und
grossartig zu erwähnen. Dieselben sollen bei den einzelnen Ländern