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Section II. Eisen- und Stahlwaaren.
gusseisernen aus einzelnen Rippenringen zusammengesetzten Cylindei,
der von zwei unten und oben offenen Mänteln umgeben ist. Der Cylinder
hat unten bloss eine Thür, die auf einen etwas schräg ansteigenden die
Mäntel durchsetzenden Hals aufgeschliffen ist, sie gestattet eine seit
liche Verschiebung, durch die dadurch entstehende Luftspalte wird der
Zug und die Verbrennung regulirt. Ein Rost findet sich nicht vor.
Oben ist der Cylinder mittelst eines abnehmbaren Deckels verschlossen.
Die Füllung findet von hier aus statt und ebenso das Anzünden des
Feuers oben auf dem eingeführten Brennstoff. Als solcher wird ver
wendet Steinkohlen in Stücken oder Koks. Die Entzündung schreitet
nach unten wie bei den früher genannten Regulirfüllöfen. Heizt man
mit Koks, so kann man das Feuer Tag und Nacht unterhalten. Die
beiden Mäntel haben den Zweck, die Strahlung zu unterdrücken, oben
tritt aus dem Zwischenraum nur heisse Luft hervor. Ein solcher Ofen
kann in die stärkste Gluth kommen, ohne dass man seine Hitze zur
Seite merklich spürt. Der Meidinger’sche wie der Wolpert’sehe
Füllofen, wenn letzterer von einem Mantel umgeben ist, können treff
lich für die Ventilation verwendet werden, indem man einen Luftcanal
von aussen in den inneren Raum zwischen Ofen und Mantel führt;
auch können sie zur Heizung eines Naohbarraumes dienen, in welchen
man von dem oberen Ofentheil die heisse Luft mittelst eines seitlichen
Rohrs hineinführt. Von beiden Ofenformen hatte das Eisenwerk
Kaiserslautern zahlreiche Sorten aufgestellt, namentlich von dem
M eiding er'sehen Ofen und zwar durchaus neue Formen. Letztere
werden in drei Breitendimensionen und nach Zahl der Rippenringe
verschiedener Höhe hergestellt und der Fagon nach geliefert: dei
äussere Mantel rund in Blech, einfach graphitirt, wie schön schwarz
emaillirt und bronzirt, ferner mit neuen achteckigen Gussmänteln ver
sehen nach Zeichnungen von Prof. Ratzel an der Kunstgewerbeschule
zu Karlsruhe, in drei Dimensionen; letztere sind als wahre Kunstformen
zu bezeichnen und repräsentirten wohl das Originellste dieser Art auf
der Ausstellung. Dann noch ein kleines Exemplar zum Heizen der
Waggons und der Schiffskajüten, von welcher Sorte das seiner
Zeit ausgeführte erste Exemplar dieser Oefen die Koldewey’sche
Nordpolexpedition begleitete und womit die Payer-Weyprecht’-
sche Polexpedition gleichfalls ausgerüstet war. In diesen Fällen
hat sich namentlich die Ventilation sehr bewährt, die man einfach
mittelst eines Rohrs herstellte, das neben dem Rauchrohr aus der
Mitte des Mantels aufstieg und die Kajütendecke durchsetzte. An
den M eiding er'sehen Oefen ist noch ein eigen thümliches Rauchrohr
stück angebracht, das den Namen Ventilationsrohr führt. Der senk
rechte Theils des Rohrs verlängert sich nämlich nach unten, besitzt
drei Einschnitte und ist mit einer ähnlich gestalteten Kapsel umgeben.
Bei einer gewissen Drehung derselben fallen die Einschnitte zusammen