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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Künstliche Erzeugung von Kälte und Eis. 
allerdings verloren. Gelegentlich wird man übrigens von diesem Mittel 
Gebrauch machen können. 
Noch andere Substanzen von niedrigem Siedpunkt lassen sich gleich 
den genannten Aetherarten als Mittel zur Temperaturerniedrigung be 
nutzen, ohne dass von der theoretischen Nutzleistung ein anderes Er 
gebnis zu erwarten wäre. So verwendet van der Weyde in New- 
York das Chymogen, einen zwischen 0° und 16° C. verdampfenden 
Bestandtheil des natürlichen Petroleums, von dem das Liter in den 
Vereinigten Staaten nicht mehr als 14 bis 24 Pfennige kostet 1 ). 
Lienard & Hugon in Paris sollen Schwefelkohlenstoff an wenden 3 ). 
Ueber einen originellen Vorschlag (von Mort und Nicolle), der als 
eine Combination des soeben besprochenen mit dem folgenden System 
anzusehen ist, werden wir später zu berichten haben. 
Verwendung der Kohlensäure. Die Kohlensäure ist wieder 
holt als Mittel zur Kälteerzeugung vorgeschlagen worden; so wurde 
im Jahre 1867 ein englisches Patent auf dieselbe mit vorläufigem Schutz 
genommen, aber nicht weiter verfolgt. A priori kann man die Kohlensäure 
nicht für ein sehr geeignetes Mittel zur Kälteerzeugung halten. Sie hat 
allerdings vor allen anderen bis jetzt angewendeten Stoffen (mit Aus 
nahme der Luft) den Vorzug der Billigkeit und, den Aetherarten gegen 
über, der Unverbrennlichkeit und dadurch Ungefährlichkeit. Der Druck 
der flüssigen Substanz ist jedoch ein enormer und darum müssen die 
Gefässe sehr stark hergestellt werden und werden die Dichtungen 
Schwierigkeiten verursachen. Temperatur und Druck der flüssigen 
Kohlensäure stehen nämlich im folgenden \erhältniss: 
Temperatur: — 60 — 30 — 15 5 0 -f- 10 -j- 15 -j- 30°C. 
Druck: 4’5 16 25 33 38 46 51 73Atm. 
Da die Temperatur, bei welcher die Kohlensäure in dem Kühler 
verdichtet wird, nicht niedriger als + 10° C. sein kann, so steht sie 
also dann unter einem Druck von 46 Atmosphären, und die Verdichtung 
würde etwa bei — 30° C. unter einem Druck von 16 Atmosphären er 
folgen. — 
Die Wiener Weltausstellung führte einen eigenthümlichen Versuch 
vor, die Kohlensäure zugleich als Kraft und als Kälte erzeugendes 
Mittel zu verwenden. Die betreffende Maschine 3 ) war von L. Seyboth 
in Wien ausgestellt und folgendermaassen angeordnet. Die Kohlen 
säure wurde aus Spatheisenstein mit Schwefelsäure hergestellt. Sie 
entwickelte sich in einem geschlossenen Baume unter einem Druck von 
4 bis 6 Atmosphären. Auf Brunnenwasserwärme abgekühlt strömte 
sie dann in eine Expansionskolbenmaschine, um hier gleich dem Dampf 
i) Deutsche Inclustriez. 1869, 338. 2 ) Privatmittheilung. 3 ) Vergl.Bd. II, p. 57.
	        
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