MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

88 
Gruppe III. Chemische Industrie. 
Arbeit zu leisten. In Folge der starken Expansion kühlt sie sich be 
deutend ab (siehe weiter unten) — es sollen Temperaturen von 20 bis 
30° unter Null erreicht worden sein — und kann aus der Maschine 
austretend zum Abkühlen von Stoffen, zur Eiserzeugung etc. verwendet 
werden. Endlich steht die Kohlensäure auch noch zur Herstellung von 
Sodawasser zur Benutzung. Hie zur Ausstellung gebrachte Maschine 
leistete als Motor die Arbeit von 2 Pferdekräften. Die Kosten des Gases 
sollen durch den gebildeten Eisenvitriol gerade gedeckt werden; aus 
1 Ctr. Schwefelsäure (5 fl. österr.) und 1 Ctr. Spatheisenstein (1 fl. 50 kr., 
zusammen 6 fl. 50 kr.) erhält man 240 Pfd. Eisenvitriol (zu 3 fl. pr. Ctr., 
giebt 7 fl. 20 kr.) Der Gedanke dieser Combination ist ohne Zweifel recht 
sinnreich, in einem einzelnen Falle mag sich auch die Ausführung lohnend 
erweisen; eine allgemeine technische Verwerthung lässt sich jedoch dar 
auf nicht gründen. 1 Ctr. Spatheisenstein giebt ungefähr 20 Kg Kohlen 
säure, entsprechend 2 cbm bei 5 Atmosphären. Auf 1 Atmosphäre expandirt 
kann diese Menge theoretisch höchstens 170 000 Kilogrammmeter Arbeit 
leisten, entsprechend 1 Pferdekraft während etwa einer halben Stunde. 
Durch die Exjaansion verliert das Gas ungefähr 200 Wärmeeinheiten 
und höchstens der gleiche Betrag steht für Eisbildung zur Verfügung; 
kaum 2 Kg Eis sind damit herzustellen. Es ergiebt sich hieraus, 
dass ausserordentlich grosse Mengen Materials für den Process erfor 
derlich sind, so dass sich für den gewonnenen Eisenvitriol kaum genü 
gende Verwendung finden dürfte. Auch die abziehende Kohlensäure 
Hesse sich nur zum kleineren Theile für Bereitung von kohlensaurem 
Wasser nutzbar machen und müsste für diesen Zweck erst wieder com- 
primirt werden, so dass es vortheilhafter erschiene, dieselbe gleich von 
Anfang an, wenn sie aus dem Entwickler kommt, in das Wasser zu 
leiten. Wenn die Kohlensäure, aus dem Eisbildner tretend, zur Her 
stellung von kohlensaurem Wasser verwendet wird, so muss die Absorp 
tion etwa bei — 5° unter einem Druck von 33 Atmosphären erfolgen, 
ein fast sechsmal stärkerer Druck als nöthig. Die Arbeit, welche die 
Maschine aufwenden müsste, um diesen Ueberdruck zu erzeugen, ist 
geradezu verloren. Die latente Dampfwärme der Kohlensäure ist zwar 
bis jetzt nicht bekannt, wäre dieselbe aber auch gross (was wegen 
des hohen Volumgewichts nicht wahrscheinlich), so würden doch 
ungeheure Mengen an Kohlensäure erforderlich sein zur Herstellung 
von nur einigermaassen erheblichen Quantitäten Eis, viel grössere als 
nur je daran gedacht werden könnte, in der Fabrikation moussirenden 
Wassers wieder zu verwenden. Wir können somit dem ausgeführten 
Apparat kein günstiges Prognostikon stellen; viel rationeller würde die 
Verwendung der Kohlensäure im Kreisprocess sein. 
Die Ammoniakmaschine. Das Ammoniak ist bei gewöhn 
licher Temperatur ein Gas; unter Druck kann es zu einer Flüssigkeit
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.