Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

94

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
ansehen  lässt.  Mort  &  Nicolle  arbeiten  nämlich  in  ihrer  Maschine
mit  einer  Luftpumpe,  unterstützen  dieselbe  in  ihrer  Wirkung  jedoch
zugleich  durch  die  Absorption.  Als  Kälte  erzeugendes  Mittel  wird
nicht  verflüssigtes  Ammoniak  angewendet,  sondern  wässriges  Ammoniak,
ein  concentrirter  Salmiakgeist.  Das  Ammoniak  bleibt  in  dem  Wasser
nur  bei  dem  Druck  gelöst,  unter  welchem  dasselbe  gesättigt  wurde,  es
entweicht  in  dem  Verhältnisse  als  der  Druck  vermindert  wird;  dabei
muss  sich  nun  die  Flüssigkeit  abkühlen,  genau  in  demselben  Grade,  wie
bei  der  Verdunstung  des  flüssigen  reinen  Ammoniaks.  Diese  Druckverminderung
  bewirken  Mort  &  Nicolle  durch  die  Luftpumpe.  Das
entzogene  Ammoniak  wird  beim  Rückgang  des  Kolbens  verdichtet  und
mit  einer  entsprechenden  Menge  der  dem  Verdunstungsbehälter  gleichfalls ­
  entzogenen  verdünnten  Flüssigkeit  zusammen  durch  einen  Kühler
gedrückt,  wobei  wiederum  Absorption  stattfindet.  Es  wird  bei  dieser
Anordnung  weniger  Arbeitskraft  erfordert  als  bei  der  rein  mechanischen
Veidichtung.  Es  ist  zu  erwarten,  dass  diese  Ammoniakmaschine  eine
grössere  Nutzleistung  geben  wird,  als  die  Aethermaschine,  die  der
Carre  sehen  Maschine  kann  sie  jedoch  nicht  erreichen.  Nähere  Angaben ­
  als  die  kurze  Beschreibung  liegen  bis  jetzt  nicht  vor.  Die  Maschine ­
  arbeitet  bei  niederem  Druck  wie  die  Aethermaschine  und  muss
wie  diese  vor  dem  Eindringen  der  Luft  sorgsamst  geschützt  werden;
eine  Explosionsgefahr  ist  von  der  Maschine  selbst  entfernt  und  auf  den
Kessel  des  Motors  übertragen.
Ende  des  Jahres  1870  haben  sich  übrigens  Mort  &  Nicolle  eine
neue  Ammoniakmaschine  patentiren  lassen,  von  der  uns  bis  jetzt  nur
die  englische  Patentbeschreibung  vorliegt.  Dieselbe  wird  als  Niederdruck-Eismaschine
  bezeichnet  und  kommt  im  Princip  ziemlich  auf  die  Carre’-sche
  Maschine  hinaus;  die  Luftpumpe  ist  weggelassen.  Sie  unterscheidet
sich  von  letzterer  Maschine  darin,  dass  nicht  flüssiges  wasserfreies
Ammoniak  erzeugt  wird  und  verdunstet,  sondern  eine  stark  concentrirte
wässrige  Lösung,  welche  natürlich  eines  viel  geringeren  Kesseldruckes
(stärkster  Druck  des  verdampfenden  Ammoniaks  etwa  2  Atmosphären,
bei  Wasserdampfheizung  von  107°  C.)  bedarf,  aber  auch  bei  der  Verdunstung ­
  eine  weniger  starke  Temperaturerniedrigung  bewirkt.  Die
Anordnung  ist  derart  getroffen,  dass  die  in  den  Eisbildner  oben  einströmende ­
  Ammoniakflüssigkeit  über  horizontal  liegende  Einstülpungen
langsam  niederfliessend  allmälig  ihr  Ammoniak  verliert  und  unten  nur
noch  massig  concentrirt  anlangend,  mittelst  einer  Pumpe  ausgezogen
wird  und  in  einem  besonderen  Gefäss  das  aus  dem  Kessel  durch  die
Hitze  vertriebene  Ammoniak  absorbirt,  worauf  die  so  wieder  stark
concentrirte  Lösung  in  den  Eisbildner  zurückgepumpt  wird.  Die  aus  dem
Kessel  unten  abziehende  fast  rein  wässerige  Flüssigkeit  dient  wie  bei
Larre  zur  Absorption  des  im  Eisbildner  verdunstenden  Ammoniaks  und
wird  durch  eine  zweite  Pumpe  in  den  Kessel  zurückgeschafft.  Als  eigen-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.