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Gruppe III. Chemische Industrie.
wenn auf 2 Atmosphären, 6 Kg Eis als theoretische Leistung erhalten wird.
Ueberhaupt steht die Leistung im umgekehrten Verhältnis der Verdich
tung der Luft resp. der durch dieselbe bewirkten Temperaturdifferenz.
Andererseits müssen aber auch die Dimensionen der Cylinder resp. die
räumlichen Verhältnisse der Maschine für eine bestimmte Leistung um
so grösser werden, je geringer die Verdichtung ist, welche angewendet
werden soll; wie sich übrigens sofort bei genauer Betrachtung der Vorgänge
ergiebt. Die effective Leistung in der ausgeführten Maschine dürfte
vielleicht nur der Hälfte der theoretischen gleich zu setzen sein *). Es er
giebt sich daraus, dass die Luftmaschine der Ammoniakmaschine in ihrer
Wirkung weit nachsteht. Die Gründe sind die ähnlichen, wie siebeieits
bei dem Vergleich der letzteren mit der Aethermaschine hervorgehoben
wurden. Uebrigens lässt sich der Nutzeffect der Luftmaschine erheblich
steigern, wenn man, worauf wir später nochmals zurückkommen werden, die
Luft während der Comprimirung sofort abkühlt, so dass sie sich nicht
erhitzen kann; in diesem Fall wird der Aufwand für das Zusammen
pressen sehr vermindert. — Als Vorzug der Luftmaschine vor den an
deren Systemen ist geltend zu machen, dass keine riechenden oder
brennbaren Substanzen zur Verwendung kommen und dass keine öko
nomischen Verluste an theurem Material eintreten können.
In der Literatur wird einer Luftmaschine zum ersten Male im
Jahre 1863 Erwähnung gethan 2 ). Dieselbe wurde im April 1862 in
England an A. C.Kirk, Bathgate, patentirt. Sie besteht aus zwei stehenden
Cylindern, von denen jeder untere Theil des «inen mit dem oberen
Theil des anderen durch einen Canal und ein sich darin nach oben
öffnendes Ventil verbunden ist. Die Kolben haben \ entile, die sich
nach unten öffnen. Die unteren Cylinderdeckel werden durch zuströ
mendes Wasser kühl gehalten, die oberen geben an Salzwasser Kälte
ab. Nach der etwas unklaren Beschreibung erfolgt die Wirkung in
der Weise, dass der Kolben des Cylinders a beim Niedergang Luft
unter sich comprimirt und über sich expandirt; die comprimirte Luft
wird in den oberen Theil des Cylinders 6 gedrückt. Beim Aufgang
i) Bei der geringen Volum wärme der Luft müssen verhältnissmässig
grosse Mengen derselben verwendet werden, weshalb die Cylinder und die
Reibungswiderstände sehr gross ausfallen. 2 ) Pract. Mech. J. 1863, 113;
in Dingl. pol. J. CLXX, 241; Wagn. Jahresber. 1863, 568. Uebrigens
wurde in England bereits 1852 ein Patent an Nesmond von Bellac (Frank
reich) auf eine Luft-Eismaschine ertheilt. Dieselbe comprimirte Luft mittelst
einer Handluftpumpe in einem in kaltem Kühlwasser stehenden kesselartigen
Gefäss auf 20 Atmosphären. Nach der Abkühlung strömte die Luft von hier
in ein zweites Gefäss, worin sich die zu kühlenden Substanzen oder das zu
gefrierende Wasser befand und von da in die Luft. Ein Mann sollte m
8 Minuten die Luft in das Compressionsgefäss drücken und per Stunde
6 bis 10 Pfund Eis gewinnen können. Der Apparat wirkt hiernach nur
periodisch und auch unökonomisch, wie die ganze Anordnung für bequeme
Bedienung viel zu wünschen übrig liess.