Künstliche Erzeugung von Kälte und Eis. 105
Gruben kommt. In milden Wintern wird das Eis zum Theil aus
Steiermark beschafft; da die Kälte im Jahre 1869 spät einfiel, so wur
den dorther 26 000 Ctr. (1 456 031 Kg) Eis bezogen, im Wagen von
200 Zolloentner bis zur Brauerei zu 115 fl.
In den Brauereien wird das Eis noch allgemein in gemauerten
Gruben eingelagert, die sich neben den Lagerkellern befinden und diese
kalt halten. Bei Dreher in Schwechat haben die Lagerkeller eine
Grösse von 113 Cubikklafter (771-05 cbm) zum Einlagern von 3600 bis
3800 Eimern (2038 bis 2151 Hl) Bier, die daneben befindliche Eisgrube bat
65 Cubikklafter (413‘52 cbm) mit einem Fassungsraum von 6510 Ctr.
(368 466 Kg). Die Eisgruben sind mit dem Mangel beahftet, dass
sie bei kostspieliger Ausführung gleichwohl unsicher wirken. Kommt
das Grundwasser auf die Sohle, so ist das Eis einem raschen
Schmelzen unterworfen. Wo man das Eis für den Verkauf in grossen
Quantitäten einlagern will, führt man deshalb nach dem Beispiel
der Amerikaner besser oberirdische Eishäuser aus, die im Wesen -
liehen aus Doppelwänden von Holz im Abstand von mindestens 0’3 m
bestehen, der Zwischenraum mit einem schlechten Wärmeleiter, wie
Sägemehl, Spreu, lockerer Torf u. s. w. im trocknen Zustand ausgefullt.
So hatten die Norddeutschen Eiswerke in Berlin im Jahre 1871 ein
Eishaus von 180 m Länge, 24 m Breite und 10 m Höhe für das Ein
lage™ von 600 000 Centner Eis. Solche Eishäuser sind billiger wie
die unterirdischen Gruben, leichter zu bedienen, und conserviren das
Eis besser, sofern die Schicht des schlechten Wärmeleiters in der Um
fassungswand dick genug ist. Der Verfasser *) hat. sich in einem
längeren Artikel näher über diesen Gegenstand verbreitet. Jedes Jahr
kann man in den Blättern von anempfohlenen Mitteln zum Conserviren
des Eises lesen; keins derselben vermag irgend etwas principiell Neues
zu bieten; sie kommen alle darauf hinaus, einen Haufen Eis womöglich
zusammenfrieren zu lassen und dann mit einem schlechten Wärme
leiter, wie Stroh, Moos u. s. w„ zu umhüllen. Das ist im Süden von
Deutschland nur ein ungenügendes Mittel, hoch im Norden, besonders
in Russland mag es ausreichen; auch geht die Umhüllung bald zu Grunde.
Ein billiges und wirksames Eishaus im Kleinen kann bei uns nicht
anders gebaut werden, als indem man zwei cubische Kasten herstellt,
der innere nicht weniger als von zwei Meter Seite, der äussere min
destens ein halb Meter davon abstehend, und zwar nach allen sechs
Richtungen. Der Zwischenraum darf durchaus nicht hohl gelassen
werden, sondern ist mit Spreu, Häcksel, auch trockner Lohe u.s.w. dicht
auszufüllen; eine einzige Thür von derselben Wanddicke vermittelt
den Zugang. Der Rechnung nach schmilzt in einem solchen gut aus
geführten Hause während eines Jahres das Eis in kaum 15 cm Dicke
i) Bad. Gewerbez. 1870/71, IV, Nro. 5 u. 6.