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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Zersetzungen eingehen. Jod und Brom können hier nur in seltenen 
Fällen durch andere billigere Agentien ersetzt werden. 
Für die Verwendung von Brom und Jod fällt noch die den Chemiker 
weniger berührende Eigenschaft derselben ins Gewicht, gleich vielen 
der selteneren Elemente, störend auf den gesunden thierischen Orga 
nismus zu wirken. Der Arzt bedient sich ihrer daher, zumeist in Form 
ihrer Verbindungen mit den Alkalimetallen, als werthvoller Arzneimittel. 
Das Fluor nimmt, wie in der wissenschaftlichen Chemie, so auch in 
der technischen, eine von derjenigen der übrigen Halogene etwas geson 
derte Stellung ein. Mit so bedeutenden chemischen Anziehungen begabt, 
dass es im freien Zustande kaum bekannt ist, kann diese gewaltige Energie 
in ihrer Allgemeinheit nicht zur Verwerthung gelangen. Man bedient 
sich vielmehr einzig seiner Vorliebe für das Silicium, indem man den 
Fluorwasserstoff als Zersetzungsmittel für Silicate (Aetzen von Glas 
u. s. w.) benutzt. 
Chlor und seine Verbindungen. 
Salzsäure. Als Ausgangspunkt für die gesammte Production 
des freien Chlors und dessen Verbindungen dient noch immer die Salz 
säure, welche in grösster Menge als Nebenproduct der Sodafabrikation 
nach dem Leblanc’schen Verfahren auftritt. Die Quantitäten von 
Chlorwasserstoff, welche in diesem Process in Freiheit gesetzt werden, 
sind so enorm, dass, würden sie vollständig in die transportable 
Salzsäureflüssigkeit übergeführt, die Production den Bedarf, trotz der 
Steigerung desselben in der Neuzeit, weit überwiegen würde. Man 
hatte sich daher, zumal in England, wenig Mühe gegeben, das saure 
Gas vollkommen zu condensiren, so dass ungeheure Mengen davon in 
die Atmosphäre entwichen, um nachher, gelöst in dem Wasser, welches 
sie in der Luft vorfanden, in der Umgebung der Fabriken niederzu 
fallen und mancherlei Verheerungen anzurichten, welche wohlberech 
tigte Klagen der Besitzer benachbarter Grundstücke hervorriefen. 
Dadurch machte sich für England ein Gesetz nothwendig, bekannt 
unter dem Namen der Alkaliacte, welchem zufolge nicht mehr als 
5 p. C. der producirten Salzsäure in die Luft entweichen dürfen. In 
Folge dessen sahen sich die Sodafabrikanten gezwungen, der Condensation 
ihrer Salzsäure eine vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen. Doch nicht 
allein in England hat man die zur Salzsäurecondensation dienenden 
Apparate vervollkommnet, sondern auch in Deutschland und Frankreich 
war man mit Eifer auf Verbesserungen bedacht. Veranlassung dazu 
gab einerseits der allgemach steigende Consum der Säure, wodurch die 
selbe einen höheren Werth erhielt, andererseits suchte man den Klagen 
der Umwohner zuvorzukommen, um nicht zu einem ähnlichen Gesetze
	        
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