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Gruppe III. Chemische Industrie.
0'73 p. C. betrug und viele Fabriken, soweit sieh dies controliren lässt,
eine vollkommene Condensation erreichen.
Reine Salzsäure. Zu vielen Zwecken, namentlich in der
Zuckerfabrikation, bedarf man einer Salzsäure, welche frei ist von Schwefel
säure, Eisen und Arsen. Es sind nun die verschiedenartigsten Vorschläge
gemacht worden, aus der arsenhaltigen reine Salzsäure zu gewinnen.
So empfiehlt Houzeau 1 ), um die Salzsäure arsenfrei zu erhalten, rohe
Säure, welcher auf 3 1 etwa 0'3 g gepulvertes Kaliumchromat zugesetzt
sind, zu destilliren und, um die durch das freiwerdende Chlor entstehende
Arsensäure vor der reducirenden Wirkung der Salzsäure zu schützen,
während der Destillation fortdauernd eine zehnfach so starke Lösung
von Kaliumchromat in Salzsäure naehfliessen zu lassen. Der entwei
chende Chlorwasserstoff wird durch Kupferdrehspähne vom mitgeführten
Chlor befreit und in Wasser geleitet. Dieses Verfahren dürfte jedoch
kaum in der Grossindustrie Anwendung finden können, da nothwendi-
gei weise bedeutende Mengen von Chlor dabei gebildet werden müssen,
deren Absorption durch Kupfer ziemlich theuer zu stehen kommen
würde. Dagegen hat P. W. Hofmann 2 ) in Dieuze folgende Methode
der Salzsäurereinigung mit Erfolg eingeführt. Ein Gefäss mit doppelt
dui chbohrtem Thonstöpsel wird zum dritten Theile mit Salzsäure ge
füllt und durch einen verschliessbaren Trichter Schwefelsäure von
1 848 Vol.-Gew. eingeführt. Das sich sofort sehr regelmässig entbin
dende Chlorwasserstoffgas wird in einer W o ul ff’sehen Flasche gewaschen
und in einerVorlage durch destillirtes Wasser absorbirt. Die Entwickelung
der Salzsäure hört erst auf, wenn die Schwefelsäure das Vol.-Gew. 1‘566
besitzt, in welchem Falle sie nur noch 0'32 p.C. Salzsäure enthält. Die
auf diese Art verdünnte Schwefelsäure wird entweder zur Fabrikation
von schwefelsaurem Natrium direct verwendet, oder wieder concentrirt,
in welchem Falle die Kosten für die Concentration noch 1 Frc. für
100 Kg betragen. Da 100 Kg Schwefelsäure 40 Kg Salzsäure von
1 181 \ ol.-Gew. liefern, so kommen nach diesem Verfahren 100 Kg
reine Salzsäure 2‘5 Frcs. theurer zu stehen als die rohe Säure. —
I i e s e n i n s ") bemerkt hierzu, dass die nach dieser Methode gereinigte
Salzsäure doch nicht ganz arsenfrei sei. Vielmehr sei das auftretende
Gas in allen Stadien der Entwickelung arsenhaltig.
Eine reine Salzsäure erhält Bettendorf 4 ) unter Benutzung der
Thatsache, dass in concentrirt salzsaurer Lösung arsenige Säure durch
Zinnchlorür als brauner Niederschlag, bestehend aus Arsen mit L5 bis
4 p. C. Zinn gefällt wird. Er versetzt die concentrirte Salzsäure mit
! ■) Houzeau, Compt. rend. LIX, 1025; Wagn. Jahresb. 1865, 251.
2 ) P. W. Hofmann, Ber. Chem. Ges. 1869, 272.. 3) Fresenius, Journ.
anal. Chem. 1870, 64. 4 ) Bettendorf, Dingl. pol. J. CXCIV, 253; Wagn.
Jahresber. 1869, 219.