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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Chlor, Brom, Jod, Fluor. 
hinreichende Menge heisse Kalkmilch fällten, einen erhitzten Luft 
strom durch die Flüssigkeit leiteten und den dadurch in höhere Oxyde 
verwandelten Manganniederschlag als Braunstein verwendeten. Allein 
erst W e 1 d o n hat es verstanden, eine wirklich technisch verworthbai-e 
Methode daraus zu machen. Der wesentliche Fortschritt Weldon’s 
liegt darin, dass er nicht eine hinreichende Menge von Kalkmilch, 
sondern einen Ueberschuss derselben an wendet. Bei der Wichtigkeit, 
welche das Weldon’sche Verfahren der Braun Steinregeneration für 
die heutige Chlorindustrie bereits gewonnen hat, da dessen Rentabilität 
durch Einführung in viele, namentlich englische Fabriken, constatirt 
ist, mag es gestattet sein, dasselbe an dieser Stelle etwas eingehender in 
seinen Grundzügen zu schildern, als dies bei den früheren Verfahrungs- 
arten geschehen ist. Die folgenden Angaben sind theilweise einem in 
den Chemical News veröffentlichten Aufsatze des Herrn Weldon 1 )) 
theils einem Briefe desselben an Herrn Prof. A. W. Hofmann vom 
12. März 1874 entnommen. 
Während nach Weldon Manganoxydulhydrat, in Wasser vertheilt 
unter der Einwirkung von Sauerstoff, welchen man durch den Brei presst 
nur bis zum Manganoxyd Mn 2 0 3 hinaufoxydirt wird, ist es möglich, 
bei Anwesenheit von Kalk oder Magnesia im Ueberschusse sämmtliches 
Mangan in Superoxyd zu verwandeln. Letzteres aber bleibt mit dem 
Kalk zu einer Verbindung von der Zusammensetzung CaO.Mn0 2 oder 
Ca Mn 0; t , Calcium manganit genannt, vereinigt. Dieselbeist aufzufassen 
entweder als Analogon des Mangansuperoxydhydrats oder als Magan- 
oxyd, Mn 2 0 3 , in welchem ein Atom Mangan durch Calcium ersetzt ist. 
Daraus folgt, dass das Mol. Calciummanganit genau so viel Salzsäure 
bei der Chlordarstellung verbraucht, wie ein Mol. Mn 2 0 3 . Trotz 
dem empfiehlt es sich, das Manganoxydul unter Beihilfe von Kalk zu 
oxydiren, da erstens in diesem Falle dieselbe Menge Mangan doppelt 
so viel zu leisten vermag, als wenn man sie nur in Manganoxyd über 
führt, zweitens die Oxydation mit weit grösserer Leichtigkeit bewirkt 
wird, wenn ein Ueberschuss von Kalk zugegen ist. Letzteres mag 
daher kommen, dass Manganoxydul in reinem Wasser oder Chlorcal 
ciumlauge etwas löslich ist und dadurch verzögernd auf die Oxydation 
wirkt. Wenigstens haben Versuche constatirt, dass Mangansalze den 
Gang der Oxydation bedeutend verlangsamen. Andererseits entsteht 
bei einem Ueberschuss von Kalk sehr bald eine braune Lösung von 
Calciummanganit, welche, wie Versuche gelehrt haben, die Sauerstoff 
aufnahme seitens des Manganoxydulschlammes bedeutend befördert. 
In neuester Zeit übrigens ist es gelungen, durch vermehrte 
Luftzufuhr bei verringertem Kalkzusatz die Oxydation des Mangans 
!) Weldon, On the manufacture of Chlorine, in Cliem. News. 23. Sptbv. 1870. 
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