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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
ratur noch nicht erreicht worden wäre. Uebrigens hält Deacon in 
neuester Zeit diesen Regulator für entbehrlich. 
Nachdem das Gemenge von Salzsäure und Luft den Regulator 
an dessen Basis verlassen hat, gelangt es in den Zersetzungsofen. 
Dieser besteht aus einem gusseisernen Kasten, in welchem sich neun in 
horizontaler Ebene geordnete Kammern befinden, deren jede in ihrem 
unteren Theile mit einem Rost, einem falschen Boden, versehen ist. 
Auf diesem Rost stehen in der ersten Kammer, auch wohl in der zweiten, 
vertieal geordnet Drainröhren, welche in eine heisse eoncentrirte Auf 
lösung von 2 Mol. Kupfersulfat auf 3 Mol. Natriumsulfat getaucht 
und dann getrocknet worden sind. Die übrigen Kammern werden von 
Ziegelstücken oder kleinen Thonkugeln (1'5 cm Durchmesser) erfüllt, 
welche eine gleiche Behandlung mit Kupfervitriol und Glaubersalz er 
fahren haben. Der ganze Ofen ist mit einem Luftmantel und dieser 
von einem mit Feuercanälen durchzogenen Mantel von Mauerwerk um 
geben. Dies hat den Zweck, einen Theil der durch Strahlung verloren 
gehenden Wärme zurückzuhalten. Ein anderer Theil derselben wird in 
dem Process selbst durch die Verbrennung der Salzsäure ersetzt. — 
Die erwähnten vertieal stehenden Röhren dienen dazu, einer Verstopfung 
des Apparates durch Eisenoxyd oder Eisenchlorid zu begegnen. Es 
hat sich nämlich herausgestellt, dass, zumal bei Anwendung eiserner 
Entwickelungs- und Leitungsapparate für die Salzsäure diese stets Eisen 
chlorid mit sich führt, von welchem sie auf keine Weise zu befreien 
ist, bevor sie den Zersetzungsofen betreten hat. In diesem nun setzt 
sich das mitgeführte Eisen entweder als Chlorid, oder falls die Chlor 
bildung bereits begonnen hat, d. h. sobald den Gasen Wasserdampf 
beigemengt ist, als pulverförmiges Eisenoxyd auf dem Kupfersulfat ab. 
Dieser Eisenstaub fällt aus den verticalen Drainröhren durch den 
Rost in den darunter befindlichen Hohlraum, von wo er leicht entfernt 
werden kann. — Es mag hier übrigens beiläufig erwähnt werden, dass 
Deacon, Privatmittheilungen zufolge, in neuester Zeit die Scheide 
wände aus dem Zersetzungsofen herausgenommen hat, wodurch er ohne 
irgend welche Nachtheile eine leichtere Bewegung des Gasstromes er 
reicht. In einem in Betrieb befindlichen Deacon’schen Apparat 
welchen der Verfasser (in der Fabrik von Kunheim in Berlin) zu 
sehen Gelegenheit hatte, waren in der That die Scheidewände und auch 
die senkrecht stehenden Drainröhren weggelassen worden, ohne dass 
die Operation während eines mehrmonatlichen Betriebes irgend welche 
Störung erlitten hätte. 
Nachdem das Gasgemisch den Zersetzungsofen passirt hat, besteht 
es aus Chlor, Wasser, Stickstoff, überschüssigem Sauerstoff und unver- 
brannter Salzsäure. Letztere wird condensirt, indem man die Gase, 
deren Temperatur zuvor durch Luftkühlung erniedrigt worden ist, 
durch einen gewöhnlichen Salzsäurecondensationsapparat, der mit ver-
	        
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