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Gruppe III. Chemische Industrie.
ratur noch nicht erreicht worden wäre. Uebrigens hält Deacon in
neuester Zeit diesen Regulator für entbehrlich.
Nachdem das Gemenge von Salzsäure und Luft den Regulator
an dessen Basis verlassen hat, gelangt es in den Zersetzungsofen.
Dieser besteht aus einem gusseisernen Kasten, in welchem sich neun in
horizontaler Ebene geordnete Kammern befinden, deren jede in ihrem
unteren Theile mit einem Rost, einem falschen Boden, versehen ist.
Auf diesem Rost stehen in der ersten Kammer, auch wohl in der zweiten,
vertieal geordnet Drainröhren, welche in eine heisse eoncentrirte Auf
lösung von 2 Mol. Kupfersulfat auf 3 Mol. Natriumsulfat getaucht
und dann getrocknet worden sind. Die übrigen Kammern werden von
Ziegelstücken oder kleinen Thonkugeln (1'5 cm Durchmesser) erfüllt,
welche eine gleiche Behandlung mit Kupfervitriol und Glaubersalz er
fahren haben. Der ganze Ofen ist mit einem Luftmantel und dieser
von einem mit Feuercanälen durchzogenen Mantel von Mauerwerk um
geben. Dies hat den Zweck, einen Theil der durch Strahlung verloren
gehenden Wärme zurückzuhalten. Ein anderer Theil derselben wird in
dem Process selbst durch die Verbrennung der Salzsäure ersetzt. —
Die erwähnten vertieal stehenden Röhren dienen dazu, einer Verstopfung
des Apparates durch Eisenoxyd oder Eisenchlorid zu begegnen. Es
hat sich nämlich herausgestellt, dass, zumal bei Anwendung eiserner
Entwickelungs- und Leitungsapparate für die Salzsäure diese stets Eisen
chlorid mit sich führt, von welchem sie auf keine Weise zu befreien
ist, bevor sie den Zersetzungsofen betreten hat. In diesem nun setzt
sich das mitgeführte Eisen entweder als Chlorid, oder falls die Chlor
bildung bereits begonnen hat, d. h. sobald den Gasen Wasserdampf
beigemengt ist, als pulverförmiges Eisenoxyd auf dem Kupfersulfat ab.
Dieser Eisenstaub fällt aus den verticalen Drainröhren durch den
Rost in den darunter befindlichen Hohlraum, von wo er leicht entfernt
werden kann. — Es mag hier übrigens beiläufig erwähnt werden, dass
Deacon, Privatmittheilungen zufolge, in neuester Zeit die Scheide
wände aus dem Zersetzungsofen herausgenommen hat, wodurch er ohne
irgend welche Nachtheile eine leichtere Bewegung des Gasstromes er
reicht. In einem in Betrieb befindlichen Deacon’schen Apparat
welchen der Verfasser (in der Fabrik von Kunheim in Berlin) zu
sehen Gelegenheit hatte, waren in der That die Scheidewände und auch
die senkrecht stehenden Drainröhren weggelassen worden, ohne dass
die Operation während eines mehrmonatlichen Betriebes irgend welche
Störung erlitten hätte.
Nachdem das Gasgemisch den Zersetzungsofen passirt hat, besteht
es aus Chlor, Wasser, Stickstoff, überschüssigem Sauerstoff und unver-
brannter Salzsäure. Letztere wird condensirt, indem man die Gase,
deren Temperatur zuvor durch Luftkühlung erniedrigt worden ist,
durch einen gewöhnlichen Salzsäurecondensationsapparat, der mit ver-