123
Chlor, Brom, Jod, Fluor.
dünnter Salzsäure oder Wasser beschickt ist, leitet. Hierauf wird das
Gas von dem mitgeführten Wasser durch einen mit Chlorcalcium beschickten
Thurm, oder besser einen Cokethurm, in welchem Schwefelsäure
niederfliesst, befreit und ist damit zur Absorption in den Chlorkalkkammern
fertig. Selbstverständlich ist ein Trockenapparat überflüssig,
wenn eine wässerige Flüssigkeit mit Chlor gesättigt werden
soll, wie dies bei der Darstellung von chlorsaurem Kalium der Fall ist.
Für letzteren Zweck benutzt Kunheim das nach vDeacon’s Methode
gewonnene Chlor. Das Chlor wird hier durch die Kalkmilch, welche
es passirt, so vollständig absorbirt, dass in der dem Exhaustor entströmenden
Luft nur Spuren davon enthalten sind. Der Zug in dem
ganzen Apparat wird durch irgend eine Saugvorrichtung jenseits der
Chlorkalkkammern bewirkt und mittelst eines von Hurt er construirten
Anemometers gemessen. Letzteres besteht aus einemUförmigen Rohre
von 5/w cm lichter Weite, dessen Schenkel ungefähr 25 cm lang sind.
Der eine Schenkel dieser Röhre steht mit dem Gasstrome in Commnnication,
so dass der durch den Strom stattfindende Druck durch Verschiebung
der in dem anderen Schenkel befindlichen Flüssigkeit (Aether)
angezeigt wird. Die Röhre ist mit dem die Flüssigkeit enthaltenden
Schenkel flach, auf eine mit Scala versehene schiefe Ebene befestigt,
welche sich an einem mit Libelle versehenen Gestell heben und senken
lässt. Der Meniscus der Flüssigkeit ist dadurch auf eine lange Diagonale
ausgedehnt und die geringen verticalen Scalentheile sind zu langen
horizontalen vergrössert. Kunheim bedient sich einer einfachen
senkrecht stehenden, mit Aether gefüllten U-Röhie.
Die grösste Schwierigkeit für die Praxis liegt bei dem Deacon -
sehen Chlorprocess in dem enormen Gasvolum, mit welchem openrt
werden muss, und demgemäss in der Grösse, welche man sich den Chlorkalkkammern
zu geben genöthigt sah. Allein auch diesen Hindernissen
für die Einführung in die chemische Industrie hat Deacon entgegenzutreten
gesucht. Er zwingt nämlich die Gase, ihren Lauf so zu nehmen,
dass sie systematisch entchlort werden, indem er ihnen zuerst fast fertigen
Chlorkalk, demnächst, je mehr sie ihr Chlor verlieren, immer
weniger gesättigten Kalk darbietet, bis sie endlich über frisches Kalkhydrat
hinweg vollständig ausgenutzt in die Atmosphäre treten. Die
Apparate, durch welche er diese systematische Sättigung des Kalkes
erreicht, sind von zweierlei Art. Erstens wendet er Kammern an in
denen der Kalk auf Hürden liegt und welche so mit einander verbunden
sind, dass sie der Chlorstrom sämmtlich nach einander durchstreicht.
Sobald in der dem Entwickelungsapparate zunächst gelegenen Kammer
der Kalk gesättigt ist, wird diese ausser Verbindung mit dem Chlorstrom
gesetzt und tritt, mit frischem Kalk beschickt, an das Ende der
Kette von Kammern, während unterdessen wieder fast gesättigter Kalk
dem concentrirten Theile des Chlorstroms dargeboten wird. Die zweite