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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe TU. Chemische Industrie. 
Lösung der I' rage nach der Constitution des Chlorkalks noch keineswegs 
erreicht worden ist. 
Kaliumchlorat. Ebenso wenig wie in der Darstellung des 
Chlorkalks hat sich in den letzten Jahren in der Fabrikation des chlor 
sauren Kaliums eine wesentliche Aenderung vollzogen. Nach wie vor wird 
dasselbe überall nach dem ursprünglichen Liebig’schen Verfahren dar 
gestellt, indem man Kalkmilch heiss mit Chlor sättigt und das hierbei 
neben dem Chlorcalcium entstehende Calciumchlorat durch Chlorkalium 
zersetzt. 
In England, welches die grösste Menge des im Handel vorkom 
menden chlorsauren Kaliums producirt, wird dasselbe nach Lunge >) fol- 
gendermaassen gewonnen. 
Man bedient sich zur Sättigung der Kalkmilch zweier mit 
einander verbundener eiserner mit Blei ausgekleideter Cylinder mit 
Rührvorrichtung. Unter einander und mit dem Chlorentwickler com- 
municiren dieselben durch Röhren derartig, dass sich der Inhalt des 
einen dem Zustande der höchsten Sättigung nähert, während in dem 
anderen das etwa unabsorbirt gebliebene Chlor durch frische Kalkmilch 
aufgenommen wird. Sobald in dem ersten Apparat vollständige Sätti 
gung erreicht ist, wird der Inhalt durch frische Kalkmilch ersetzt und 
der Chlorstrom gewendet, so dass er das zweite Gefäss jetzt zuerst 
betritt. Die gewonnene Lauge von Chlorcalcium und chlorsaurem 
Calcium zeigt eine rosenrothe Farbe, welche nach einigen Autoren von 
Uebermangansäure herrührt, nach anderen (Crace-Calvert) auch 
bei Fernhaltung allen Mangans auftritt. In der That ist die erwähnte 
i osenrothe Farbe der Flüssigkeit auch da das Zeichen der vollständigen 
Sättigung, wo das verwendete Chlor ohne Anwendung von Braunstein 
dargestellt wird, wie bei Kunheim in Berlin, welcher, wie bereits er 
wähnt, das nach Deacon’s Methode gewonnene Chlor zur Darstellung 
von Kaliumchlorat benutzt. Die rothe Flüssigkeit wird nach erfolgter 
Klärung mit Chlorkalium bis zum Vol.-Gew. 1*28 eingedampft und der 
Krystallisation überlassen. Die von den zuerst angeschossenen Krystallen 
abgelassene Mutterlauge wird abermals auf 1*35 Vol.-Gew. eingedampft, 
wodurch eine zweite, wenn auch geringere Menge Kaliumchlorat 
gewonnen wird. Ein Iheil (etwa 12 p.C.) des vorhandenen Kalium- 
chlorats bleibt stets in der Mutterlauge, welche daher auf Chlor zu ver 
arbeiten ist. Die gewonnenen Krystalle enthalten als Verunreinigungen 
immer noch Chlorcalcium und Eisen. Um diese zu entfernen, löst man 
das rohe chlorsaure Kalium in möglichst wenig heissem Wasser, giebt zu 
10 III der Lösung 2*5 Kg Soda und lässt, nachdem der kohlensanre 
Kalk und das Eisenoxyd sich abgesetzt haben, krystallisiren. Die aus- 
] ) Lunge, Ding], pol. J. CXXCIX, 489.
	        
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