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Gruppe III. Chemische Industrie.
Als gewissermaassen auch zu den Brompräparaten gehörig, mögen
hier noch die künstlich hergestellten Salzgemische Erwähnung finden,
welche neuerdings nach Maassgabe der Zusammensetzung der aus Mi
neralquellen erhaltenen Badesalze dargestellt werden. In Wien wurden
beispielsweise Kreuznacher Mutterlauge und Mutterlaugensalz, Koesener,
Wittekinder u. s. w. Badesalz durch Frank resp. die Vereinigten
Fabriken zu Leopoldshall zur Ausstellung gebracht.
Endlich mag an dieser Stelle noch der Maassregeln Erwähnung
geschehen, durch welche es möglich ist, die in der Bromfabrikation be
schäftigten Arbeiter vor dem nachtheiligen Einflüsse des Broms zu
schützen. Es hat sich in der That herausgestellt, dass bei Anwendung
derselben keine Gefahr für die Gesundheit der Arbeiter zu besorgen ist.
Vor allen Dingen ist natürlich bei der Auswahl der Arbeiter darauf
zu achten, dass dieselben wohlausgebildete Respirationsorgane haben
und keine Veranlagung zu asthmatischen Leiden oder catarrhalischen
Affectionen besitzen. Demnächst ist den Arbeitern der Genuss von
Spirituosen aufs Strengste zu untersagen, da die durch dieselben be
dingte Reizbarkeit der Schleimhäute ausserordentlich gefährlich ist.
Dagegen ist ihnen reichlicher Genuss fetter und schleimiger Speisen —
Butter, Speck — neben im Uebrigen kräftiger Nahrung anzurathen.
Da es sich herausgestellt hat, dass sich die Arbeiter der ihnen zur
Disposition gestellten Respiratoren nicht bedienen, höchstens beim Um
giessen grösserer Brommengen ein Tuch um Mund und Nase binden,
so ist die wichtigste Aufgabe die Herstellung einer kräftigen Ventilation
in allen Fabrikationsräumen. Durch diese ist es in Verbindung mti
jenen diätetischen Maassregeln gelungen, in Stassfurt während der acht
Jahre des Bestehens der dortigen Bromindustrie die Arbeiter gesund
zu erhalten, so lange sie sich des Genusses von geistigen Getränken
enthielten. (Frank.)
[Der Herausgeber dieses Berichtes hat bei einem Ausfluge nach
Stassfurt in der jüngsten Zeit Gelegenheit gehabt, auch die Werk
stätten der Frank’sehen Bromfahrik zu besuchen und es sei ihm ge
stattet, dem vorstehenden, in grossen Zügen gefassten Aufsatze noch
einige Ergebnisse seiner eigenen Beobachtung anzureihen, um das Bild
auch im Einzelnen auszuführen.
Die Destillation der Brommutterlauge mit Braunstein und Schwefel
säure geschieht in grossen, würfelförmigen Steingefässen aus einem
Stück, welche für den Fall des Springens mit Eisenstäben umgürtet
sind. Durchschnittlich haben diese Gefässe eine Capacität von 3 cbm.
In einiger Entfernung von dem Boden ist eine durchlöcherte Platte