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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Chlor, Brom, Jod, Fluor. 
Ende der Operation anftritt und in dem Eisengefässe eine so reich 
liche Wasserstoffentwickelung bedingt, dass die Masse in demselben 
stark aufschäumt. Um Verlust durch Ueberlaufen zu vermeiden, ist in 
einer Entfernung von einigen Centimetern unterhalb des oberen Randes 
des Eisengefässes eine breite geschweifte Krampe angegossen, in welcher 
sich die überschäumende Flüssigkeit sammelt, um durch eine seitliche 
Ansatzröhre in einen Krug von Steinzeug abzufliessen. 
Eine Operation, welche beiläufig zwei Stunden in Anspruch nimmt, 
liefert von 2'0 bis 2'5KgBrom. Die beiden Bromlaboratorien inStass- 
fnrt und Leopoldshall sind so eingerichtet, dass sie im Stande sind, in 
24 Stunden 500 Kg fertigzustellen, doch wurde bisher ein so grosses 
Quantum nie fabricirt. 
Von ganz besonderem Interesse sind die Vorrichtungen für die 
Ventilation der Bromwerkstätten. Der kritische Moment ist der der 
Entleerung der Manganlaugen aus den Steinkufen, da diese Flüssigkeit 
immer noch eine reichliche Menge von Brom- und Chlordämpfen aus- 
haucht Aber diese Operation vollzieht sich ohne die allergeringste 
Belästigung des Arbeiters. Längs der Reihe der Destillirgefässe läuft 
ein gemauerter Canal hin, durch welchen der grosse Schornstein der 
Fabrik einen mächtigen Luftstrom in entgegengesetzter Richtung zur 
ablaufenden Lauge hindurchzieht. Der Canal liegt so, dass die Abfluss 
öffnungen der Steinkufen in denselben münden. Vor jeder Kufe 
befindet sich in der Verdachung des Canals ein Schieber, welchen man 
auszieht, wenn der Zapfen ausgeschlagen werden soll. Der Zug ist so 
mächtig, dass selbst, wenn der Schieber nicht alsbald wieder geschlossen 
wird, der Arbeiter gleichwohl von den Dämpfen, die sich aus der aus 
strömenden Manganlauge entwickeln, nicht im Entferntesten behelligt 
wird Die Werkstätten riechen unverkennbar nach Brom, allem der Ge- 
ruch ist weit schwächer, als er beim Bromiren organischer Substanzen 
des Oefteren in unseren wissenschaftlichen Laboratorien verspürt wird. 
Das Rohbrom enthält, wie bereits bemerkt, stets etwas Chlor, selbst 
wenn man, wie dies in Stassfurt geschieht, die Woulff’sche Flasche 
gegen das Ende der Operation hin sich etwas erwärmen lässt um das 
flüchtige Chlorbrom in die Eisenspähne zu jagen. Es muss daher noch 
einer Rectificationunterworfenwerden. Diese geschieht in Glasretorten von 
beiläufig 151 Inhalt, deren Hälse in von kaltem Wasser umspulte gläserne 
Vorlagen eingekittet sind. Eine jede Retorte sitzt in einer besonderen 
Sandcapelle, damit, wenn eine Retorte springt — und derartige Unfälle 
können nicht vermieden werden - der Schaden möglichst beschrankt 
bleibt Nur eine kleine wässerige Fractionist chlorhaltig: sie wird en - 
fernt und wieder mit in die Steinkufen gegeben. Die Rectification 
nimmt etwa 24 Stunden in Anspruch. Die Atmosphäre in dem Rectifi- 
cationsraume, da jeder Luftzug sorgfältig vermieden werden muss ist 
angreifender, als in den Destillationslocalen. Indessen hat der Arbeiter
	        
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