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Chlor, Brom, Jod, Fluor.
Ende der Operation anftritt und in dem Eisengefässe eine so reich
liche Wasserstoffentwickelung bedingt, dass die Masse in demselben
stark aufschäumt. Um Verlust durch Ueberlaufen zu vermeiden, ist in
einer Entfernung von einigen Centimetern unterhalb des oberen Randes
des Eisengefässes eine breite geschweifte Krampe angegossen, in welcher
sich die überschäumende Flüssigkeit sammelt, um durch eine seitliche
Ansatzröhre in einen Krug von Steinzeug abzufliessen.
Eine Operation, welche beiläufig zwei Stunden in Anspruch nimmt,
liefert von 2'0 bis 2'5KgBrom. Die beiden Bromlaboratorien inStass-
fnrt und Leopoldshall sind so eingerichtet, dass sie im Stande sind, in
24 Stunden 500 Kg fertigzustellen, doch wurde bisher ein so grosses
Quantum nie fabricirt.
Von ganz besonderem Interesse sind die Vorrichtungen für die
Ventilation der Bromwerkstätten. Der kritische Moment ist der der
Entleerung der Manganlaugen aus den Steinkufen, da diese Flüssigkeit
immer noch eine reichliche Menge von Brom- und Chlordämpfen aus-
haucht Aber diese Operation vollzieht sich ohne die allergeringste
Belästigung des Arbeiters. Längs der Reihe der Destillirgefässe läuft
ein gemauerter Canal hin, durch welchen der grosse Schornstein der
Fabrik einen mächtigen Luftstrom in entgegengesetzter Richtung zur
ablaufenden Lauge hindurchzieht. Der Canal liegt so, dass die Abfluss
öffnungen der Steinkufen in denselben münden. Vor jeder Kufe
befindet sich in der Verdachung des Canals ein Schieber, welchen man
auszieht, wenn der Zapfen ausgeschlagen werden soll. Der Zug ist so
mächtig, dass selbst, wenn der Schieber nicht alsbald wieder geschlossen
wird, der Arbeiter gleichwohl von den Dämpfen, die sich aus der aus
strömenden Manganlauge entwickeln, nicht im Entferntesten behelligt
wird Die Werkstätten riechen unverkennbar nach Brom, allem der Ge-
ruch ist weit schwächer, als er beim Bromiren organischer Substanzen
des Oefteren in unseren wissenschaftlichen Laboratorien verspürt wird.
Das Rohbrom enthält, wie bereits bemerkt, stets etwas Chlor, selbst
wenn man, wie dies in Stassfurt geschieht, die Woulff’sche Flasche
gegen das Ende der Operation hin sich etwas erwärmen lässt um das
flüchtige Chlorbrom in die Eisenspähne zu jagen. Es muss daher noch
einer Rectificationunterworfenwerden. Diese geschieht in Glasretorten von
beiläufig 151 Inhalt, deren Hälse in von kaltem Wasser umspulte gläserne
Vorlagen eingekittet sind. Eine jede Retorte sitzt in einer besonderen
Sandcapelle, damit, wenn eine Retorte springt — und derartige Unfälle
können nicht vermieden werden - der Schaden möglichst beschrankt
bleibt Nur eine kleine wässerige Fractionist chlorhaltig: sie wird en -
fernt und wieder mit in die Steinkufen gegeben. Die Rectification
nimmt etwa 24 Stunden in Anspruch. Die Atmosphäre in dem Rectifi-
cationsraume, da jeder Luftzug sorgfältig vermieden werden muss ist
angreifender, als in den Destillationslocalen. Indessen hat der Arbeiter