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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

141

Chlor,  Brom,  Jod,  Fluor.

dieser  Kette  von  Umbildungen  Natronhydrat  gewonnen  wird.  Trotz
der  versprochenen  Rentabilität  dieser  Processe  hat  sich  keiner  derselben
Eingang  in  die  Praxis  verschaffen  können.
Als  interessante  Thatsache  rufe  man  sich  übrigens  ins  Gedächtniss
zurück,  dass  auf  der  Pariser  Ausstellung  im  Jahre  1867  durch  T  es  sie
du  Motay  grosse  Quantitäten  von  Kieselfluomatrium,  Kieselfluorbarium,
Soda  und  Aetznatron,  als  Producte  ausgestellt  waren,  welche
der  Anwendung  im  Grossen  gewonnenen  Fluorsiliciums  und  Kieselfluorwasserstoffs ­
  ihre  Entstehung  verdankten.  Der  zu  diesem  Behufe
dienende  Siliciumfluorwasserstoff  war  mit  Zugrundelegung  der  Beobachtungen ­
  von  Bredberg  (1829)  und  Berthier  (1835)  nach  einem
von  F.  Bothe 1 )  im  Detail  ausgearbeiten  Verfahren  durch  Einschmelzen
von  Kieselsäure,  Flussspath  und  Kohle  in  einem  Hohofen  undAuffangeD
des  in  den  Gichtgasen  enthaltenen  Fluorsiliciums  in  Wasser  dargestellt

worden  2 ).
In  neuester  Zeit  endlich  haben  Christy  und  Bobrownicki  3 )  in
England  ein  Patent  auf  die  Gewinnung  von  Ammoniak  aus  ammoniakalischen
  Wassern  mittelst  Kieselfluorwasserstoffs  genommen.  Sie  fällen
aus  diesen  Wassern  mittelst  Kieselflusssäure  das  Ammoniak  und  zersetzen ­
  den  Niederschlag  ohne  Anwendung  von  Wärme  durch  Aetzkalk.
Ob  diesem  Versuche,  eine  Siliciumverbindung  in  der  chemischen  Grossindustrie ­
  zur  Anwendung  zu  bringen,  ein  besseres  Schicksal  bestimmt
sein  wird  als  allen  vorhergehenden,  mag  der  Erfolg  in  späterer  Zeit
lehren.  Jedenfalls  wird  dem  letzterwähnten  Vorschläge  seit  5  bis  6
Jahren  zum  ersten  Mal  wieder  in  der  technisch  -  chemischen  Liteiatur
Erwähnung  des  Fluors  gethan.

Die  Anwendungen  der  Fluorverbindungen  scheinen  in  der  That
von  einem  eigenen  Unstern  bedroht  zu  sein.  Selbst  die  Verwerthung
der  Flusssäure  als  Aetzmittel  für  Glas,  welche  vor  Concurrenz  bisher
sicher  schien,  dürfte  in  neuester  Zeit  in  Folge  einer  amerikanischen
Erfindung  bedeutende  Einschränkungen  erfahren.  B.  C.  T  ilgh  m  an  n 4 )
bedient  sich  nämlich  zum  Aetzen  sowohl  von  Glas  als  irgend  welchem
spröden  Material  eines  mit  Heftigkeit  auf  die  Fläche  des  betreffenden
Gegenstandes  geschleuderten  Sandstrahles.  Demselben  wird  die  Geschwindigkeit ­
  entweder  durch  bewegte  Luft,  oder,  namentlich  im  I  all
bedeutendere  Wirkungen  erzielt  werden  sollen,  durch  einen  Dampfstrahl
ertheilt.  Letzterer  durchströmt  eine  Hülse  von  etwa  10  mm  Bohrung,
in  deren  Achse  sich  das  etwa  3‘7  mm  weite  Sandzuführungsrohr  bei)

  Bothe,  Wagn.  Jahresber.  1868,  265.  2 )  Ausführlicheres  über  Versuche, ­
  die  Kieselfluorwasserstoffsäure  der  Industrie  dienstbar  zu  machen,  ist
in  dem  Artikel  Kieselsäureverbindungen  mitgetheilt.  3 )  Ber.  Chem.  Ges.
1873,  1322.  4 )  B.  C.  Tilghmann,  Das  Sandblasverfahren  zum  Schneiden
harter  Körper.  Vergl.  diesen  Bericht  Bd.  II.  S-  145.
            
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