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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
findet. Durch die Gewalt des durchströmenden Dampfes wird aus dem 
inneren Rohre der Sand herausgerissen und auf die zu ätzende Fläche 
geschleudert. Während spröde Materialien von dem so heryorgebraehten 
Sandstrahl corrodirt werden, setzen elastische oder zähe Körper der 
reihenden Gewalt des Sandes einen ungleich grösseren Widerstand ent 
gegen. Es ist daher möglich, bei Anwendung yon Schablonen aus 
Kautschuk, Schmiedeeisen u. s. w. beliebige, den freigelassenen Stellen 
der Schablone entsprechende Figuren zu ätzen. Die Wirkung des be 
wegten Sandes ist, wie man Gelegenheit hatte, sich auf der Wiener 
Ausstellung durch den Augenschein zu überzeugen, eine ganz erstaun 
liche. Nicht nur werden Verzierungen, Buchstaben auf Glas in der kürze 
sten Zeit geätzt, sondern man vermag auch bei Anwendung eines Dampf 
druckes yon 7'3 Kg auf den qcm in der Minute 27 cbcm Granit, 72 cbcm 
Marmor, 179 cbcm Sandstein hinwegzunehmen, so dass es möglich ist, 
dadurch bei der Herstellung steinerner Ornamente einen Theil der 
Arbeit des Meisseis zu ersparen. Selbst Materialien, welche weit här 
ter sind als Sand, unterliegen den Angriffen des letzteren. So wurde 
bei einer Dampfspannung von 21 *9 Kg auf den qcm binnen 25 Minu 
ten ein Korund von 39 mm Dicke durchbohrt. 
Wichtig verspricht auch die Wirkung des Sandstrahles für die Verviel- 
fältigung von Zeichnungen unter Mithilfe der Photographie zu werden. 
Werden nämlich Negative auf Glasplatten eopirt, welche mit der zur Dar 
stellung der sogenannten Kohlebilder dienenden Chromsäure-Leimlösung 
überzogen sind, so bilden die nach dem Abwaschen der belichteten Platte 
stehenbleibenden Partien des Leimüberzüges eine Schablone, welche 
gestattet, die entblössten Stellen des Glases mittelst des Sandstrahles 
zu ätzen. Copirt man statt auf eine mit Chromsäure-Leimlösung über 
zogene Glasplatte auf einen ebenso präparirten Harzkuchen, so lässt 
sich mittelst des Sandstrahles aus diesem eine Matrize herstellen, 
deren galvanoplastischer Abdruck zur Wiedergabe der Photographie 
dienen kann. 
Dass sich einem solchen Rivalen gegenüber die Flusssäure als 
Aetzmittel, namentlich wo es sich um Corrosion grösserer Flächen, 
überhaupt um bedeutende Effecte handelt, nicht wird behaupten können, 
liegt auf der Hand. Nur wo zarte und scharfe Zeichnung, wie etwa 
beim Graduiren von Messinstrumenten, erforderlich ist, wird man des 
Fluorwasserstoffs nach wie vor nicht entbehren können. 
Von den Auszeichnungen für Chlor-, Brom- und Jodpräparate auf 
der Wiener Weltausstellung sind hier nur die den beiden letzten Classen 
ertheilten aufgeführt; die für Chlorpräparate gegebenen sind des Zu-
	        
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