142
Gruppe III. Chemische Industrie.
findet. Durch die Gewalt des durchströmenden Dampfes wird aus dem
inneren Rohre der Sand herausgerissen und auf die zu ätzende Fläche
geschleudert. Während spröde Materialien von dem so heryorgebraehten
Sandstrahl corrodirt werden, setzen elastische oder zähe Körper der
reihenden Gewalt des Sandes einen ungleich grösseren Widerstand ent
gegen. Es ist daher möglich, bei Anwendung yon Schablonen aus
Kautschuk, Schmiedeeisen u. s. w. beliebige, den freigelassenen Stellen
der Schablone entsprechende Figuren zu ätzen. Die Wirkung des be
wegten Sandes ist, wie man Gelegenheit hatte, sich auf der Wiener
Ausstellung durch den Augenschein zu überzeugen, eine ganz erstaun
liche. Nicht nur werden Verzierungen, Buchstaben auf Glas in der kürze
sten Zeit geätzt, sondern man vermag auch bei Anwendung eines Dampf
druckes yon 7'3 Kg auf den qcm in der Minute 27 cbcm Granit, 72 cbcm
Marmor, 179 cbcm Sandstein hinwegzunehmen, so dass es möglich ist,
dadurch bei der Herstellung steinerner Ornamente einen Theil der
Arbeit des Meisseis zu ersparen. Selbst Materialien, welche weit här
ter sind als Sand, unterliegen den Angriffen des letzteren. So wurde
bei einer Dampfspannung von 21 *9 Kg auf den qcm binnen 25 Minu
ten ein Korund von 39 mm Dicke durchbohrt.
Wichtig verspricht auch die Wirkung des Sandstrahles für die Verviel-
fältigung von Zeichnungen unter Mithilfe der Photographie zu werden.
Werden nämlich Negative auf Glasplatten eopirt, welche mit der zur Dar
stellung der sogenannten Kohlebilder dienenden Chromsäure-Leimlösung
überzogen sind, so bilden die nach dem Abwaschen der belichteten Platte
stehenbleibenden Partien des Leimüberzüges eine Schablone, welche
gestattet, die entblössten Stellen des Glases mittelst des Sandstrahles
zu ätzen. Copirt man statt auf eine mit Chromsäure-Leimlösung über
zogene Glasplatte auf einen ebenso präparirten Harzkuchen, so lässt
sich mittelst des Sandstrahles aus diesem eine Matrize herstellen,
deren galvanoplastischer Abdruck zur Wiedergabe der Photographie
dienen kann.
Dass sich einem solchen Rivalen gegenüber die Flusssäure als
Aetzmittel, namentlich wo es sich um Corrosion grösserer Flächen,
überhaupt um bedeutende Effecte handelt, nicht wird behaupten können,
liegt auf der Hand. Nur wo zarte und scharfe Zeichnung, wie etwa
beim Graduiren von Messinstrumenten, erforderlich ist, wird man des
Fluorwasserstoffs nach wie vor nicht entbehren können.
Von den Auszeichnungen für Chlor-, Brom- und Jodpräparate auf
der Wiener Weltausstellung sind hier nur die den beiden letzten Classen
ertheilten aufgeführt; die für Chlorpräparate gegebenen sind des Zu-