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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

Die Schwefelindustrie Siciliens. 
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schinen seine Zuflucht nehmen, wenn man die Grube nicht verlassen 
will. In solchen Fällen sind für die Förderung der Erze in Sicilien 
schon seit längerer Zeit Fahrgallerien (gallerie di carreggiatura) im 
Gebrauch; soll gleichzeitig Wasser gehoben werden, so dienen verticale 
Schachte (pozzi verticdli). 
Fahrgallerien sind bis jetzt nur in vier Solfaren eingeführt 
worden, nämlich in denen von Montagna Yecchia (Prov. Aragona), 
San Giovanello und Montelongo (Prov. Casteltermini) und endlich 
Galleria Ercole (Prov. Sommatino). Nach im Jahre 1865 gesam 
melten statistischen Notizen hat sich dieses System von sehr günstigem 
Erfolge erwiesen. 
Die ersten Versuche der Förderung in Schachten sind in einer 
Solfare in der Gegend von Respica (Prov. Villarosa) und in einer 
anderen am Colle di Madore (Prov. Lercara) von dem französischen 
Bergingenieur de Labretoigne ausgeführt worden. Sie wurden mit 
Unterbrechungen von 1859 bis 1861 fortgesetzt, lieferten aber so un 
günstige Resultate, dass man sich genöthigt sah, sie aufzugeben. Im 
Jahre 1865 wurden ähnliche Versuche in der Solfare von Montedoro 
angestellt, die aber kein besseres Schicksal hatten, und erst 1868 ist 
die Förderung in Schachten mit Ernst in die Hand genommen und er 
folgreich durchgeführt worden. Es war dies auf der Solfara von Grotta- 
calda, welche damals unter der Leitung des Bergingenieurs Lorenzo 
Parodi stand, aus dessen Bericht wir diesen kurzen Auszug mit 
theilen. Dort gestaltete sich der Betrieb der Schachtförderung in so 
hohem Grade vortheilhaft, dass man alsbald dasselbe System in den 
Solfaren von Floristella, von Gallizzi und in anderen minder wichtigen 
einführte. Die Installation in Grottacalda kostete beiläufig 78 000 Lire; 
der Schacht daselbst hat eine Tiefe von 137 m, und wird seit dem 
Februar 1871 zur Förderung benutzt. Seit 1872 arbeitet in der 
grossen Solfara von Sommatino eine Dampfmaschine von 40 Pferde 
kräften. Gleichzeitig fing man auch in der Solfara von Raddassa 
und in denen von Montagna (Prov. Sommatino) und Trabonella in 
der Gegend von Sanatra (Prov. Caltanisetta) an, Schachte von geringer 
Bedeutung anzulegen, welche indessen ausschliesslich zur Bewältigung 
des Wassers dienten. An der Stelle der hölzernen Pumpen, welche 
anfangs im Gebrauch waren, sind bereits Metallpumpen getreten; sie 
werden von Arbeitern bedient, welche den Namen trombatori führen. 
Vergleicht man nun die statistischen Angaben aus dem Jahre 1867 mit 
denen aus dem Jahre 1871, so lässt sich erkennen, dass man in dem Zeit 
raum von fünf Jahren sehr bemerkenswerthe Fortschritte gemacht hat. 
Während Ende 1867 13 Solfaren 20 Dampfmaschinen mit einer Col- 
lectivkraft von 256 Pferden anwendeten, zählte man im Jahre 1872 
bereits 21 Solfaren und 400 Pferdekräfte. Auch in der Construction 
der Maschinen seihst, welche mehr und mehr nach wissenschaftlichen 
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