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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

148 Gruppe III. Chemische Industrie. 
Principien erbaut werden, sind wesentliche Verbesserungen zu ver 
zeichnen. 
An der Mündung der Schwefelgrube wirft ein jeder Picconiere mit 
Hilfe seiner Manuali das von ihm geförderte Erz zu einem Haufen 
(catasta) auf, welche alsdann von besonderen Beamten der Verwaltung 
(catastieri delV amministrazione) gemessen werden. Als Maasseinheit 
dient die cassa, ein Gefäss von der Form eines Parallelepidons, von 
einem in den verschiedenen Solfaren zwischen 2'5 und 5 cbm schwan 
kenden Rauminhalte. ' 
Die Ausbringung des Schwefels erfolgt in Sicilien fast aus 
schliesslich durch einen Schmelzprocess. Das Ausschmelzen in kleinen 
gusseisernen Apparaten (doppioni genannt, weil sie, Retorte und Vorlage, 
paarweise stehen), wie sie in einigen Solfaren der Romagna üblich 
sind, oder in Thongefässen (pignatti di argilla), wie sie gewöhnlich in 
den chemischen Lehrbüchern beschrieben werden, ist in Sicilien niemals 
im Gebrauch gewesen. Seit Menschengedenken bediente man sich auf 
der Insel sehr primitiver Ausschmelzvorrichtungen, welche man mit 
dem Hamen calcarelle bezeichnete. Zu dem Ende wurden in den Boden 
runde Vertiefungen eingesenkt von 2'5 m Durchmesser und etwa 4 dm 
Höhe, in deren Mitte der Picconiere die Schwefelerze zu einem hohen 
Haufen aufschichtete, eine Operation, welche in der Regel zwei Tage in 
Anspruch nahm. Dieser Haufen wurde nun am Abend angezündet 
und schon am Morgen des nächsten Tages hatte sich so viel flüssiger 
Schwefel in dem äusseren Ringe der Vertiefung angesammelt, dass man 
mit dem Ausschöpfen desselben und mit dem Giessen der Schwefelbrode 
beginnen konnte, womit man bis zum Abend fertig war, um an dem 
folgenden Tage denselben Process von Neuem zu beginnen. Dieses 
Verfahren verursachte nur unerhebliche Kosten, lieferte aber auch nur 
eine geringe Ausbeute. Man erhielt in der That nur ein Drittel des 
in den Erzen enthaltenen Schwefels, zwei Drittel wurden zur Belästigung 
der Umwohner und zur schweren Schädigung der benachbarten Felder 
in Gestalt von schwefliger Säure in der Atmosphäre verbreitet. 
Seit 1850 hat das Ausschmelzen des Schwefels in Sicilien einen 
sehr erheblichen Fortschritt durch Umwandlung der calcarelle in calca- 
roni gemacht. Letztere sind, wie schon die Form des Wortes andeutet, 
nichts anderes als den beschriebenen ähnliche Vorrichtungen, welche 
aber in sehr viel grösserem Maassstabe und in verbesserter Weise aus 
geführt sind. Die Calcaroni sind grosse runde Vertiefungen von halb 
kreisförmigem oder halbellyptischem Querschnitt von einem Durch 
messer von etwa 10 m und einer Tiefe von 2'5 m. Sie werden in der 
Regel in Localitäten angelegt, wo das stark abfallende Erdreich gestattet, 
von aussen eine Verbindung mit dem unteren Theile des Calcarone 
herzustellen, dessen Boden man nach dieser Stelle hin eine starke
	        
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