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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Die Schwefelindustrie - Siciliens. 
Neigung giebt. Die Verbindung nach aussen, welche den seltsamen 
Namen la morte trägt, besteht in einer Oeffnung von D20 m Höhe 
und 25 cm Breite. Die Innenwand des Calcärone ist mit einer Gyps- 
mauer ausgekleidet, deren Dicke am hinteren Theile 4 bis 5 dm beträgt, 
sich aber nach vorn bis zu 1 und selbst D2 m verdickt. Das Mauer 
werk ist mit einer glatten Decke von Gyps überzogen, welche für den 
geschmolzenen Schwefel undurchdringlich ist. 
Die Beschickung des Calcarone wird von Arbeitern besorgt 
welche den Namen riempitori führen. Sie bedecken den Boden, ent 
weder die Erde selbst oder besser eine aus Mauersteinen gebildete 
Sohle, zunächst mit einer Lage feingepulverter ausgebrannter Erze 
früherer Operationen (ginese), auf welche sie eine Schicht grosserer 
Erzstücke (tozzi) folgen lassen. Auf dieser Unterlage wird nunmehr 
das Erz aufgehäuft, indem man Sorge trägt, die kleineren Stücke vor 
zugsweise in der äusseren Umrandung des Haufens zu vereinigen. Gleich 
zeitig wird die Oeffnung nach aussen, damit das Schwefelerz nicht heraus 
falle, durch eine Art Gewölbe (porte) geschlossen, welches man im Innern 
des Calcarone aus grossen schwefelarmen Erzblöcken um die Oeffnung 
herum aufbaut. Sobald die Vertiefung des Calcarone bis zum Rande 
gefüllt ist, häuft der Arbeiter weiteres Mineral auf, bis ein Hügel ent 
standen ist, welcher die Gestalt eines abgestumpften Kegels besitzt 
(colmatura, cvcuzzo), indem er auch jetzt wieder die kleineren Stucke 
nach aussen setzt und die grösseren nach derMitte zu einfugt. Mit 
Hilfe dieser grösseren Blöcke gelingt es ihm auch, an verschiedenen dem 
Rande nicht zu ferne gelegenen Stellen, zumal nach der Rückseite des 
Calcarone hin verticale kaminröhrenartige Oeffnungen in dem Haufen aus 
zusparen, welche während des Brandes den Zug vermitteln. Nun wird 
der Haufen mit einer Lage feinsten Erzpulvers (sterro) beschickt, dem 
schliesslich wieder eine Schicht gepulverter ausgebrannter Erze (ginese) 
folgt, welche äussere Umhüllung man mit dem Namen camicia (Hemd) 
bezeichnet. Um den Calcarone anzünden zu können, muss, nur noch 
die Oeffnung nach aussen geschlossen werden; dies geschieht durch 
eine dünne Gypsmauer, in welcher man in verschiedenen Höhen kleine, 
während des Brandes mit Thon gefüllte Löcher lässt. Das Anzunden 
des Calcarone geschieht mittelst schwefelgetränkter Strohbundei, welc e 
in die Zugröhren geworfen werden. Nach etwa einer Stunde werden 
alle Oeffnungen geschlossen und der Ofen acht bis neun läge sich 
selbst überlassen. Um diese Zeit beginnen gemischte Dämpfe, aus 
Wasser, Schwefel und schwefliger Säure bestehend, sich ihren V eg 
durch die äussere Bekleidung des Haufens zu bahnen und in der Nahe 
der Rauchrohren erscheint ein leichter Anflug sublimirten Schwefels. 
Gleichzeitig erhitzt sich mehr und mehr der Verschluss der in c er 
Nähe des Bodens befindlichen Oeffnung nach Aussen, welcher end 
lich glühend wird. Indem man eines der mit Thon gefüllten Locher
	        
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