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Die Schwefelinclustrie Siciliens.
die umwohnende Bevölkerung' gegen die schädlichen Einflüsse der die
Atmosphäre verpestenden schwefligen Säure zu schützen streben.
In Lercara, wo eine Zeitlang nur sehr reiche Erze (talamone) vor
kamen, welche sich leicht pulverisiren Hessen und deshalb für den Brand
in Calcaroni nicht geeignet erschienen, hat man viele Jahre hindurch
das Ausschmelzen in offenen gusseisernen Kesseln von halbkieisföimigem
Querschnitte mit Hilfe von vegetabilischem Brennmaterial bewerkstelligt.
Die Schmelzkosten betrugen etwa 2'50 Lire für 100 Kg Schwefel
ausbeute. In einer Operation wurden 8 bis 9 Quintale Schwefel ausgc-
schmolzen, welche 2 bis 3 Quintale Brennmaterial verbrauchten. Die
Kessel hielten 4 bis 5 Jahre, in den Schwefelgruben von Madora
(Provinz Lercara), wo zumal sehr schwefelarme Erze verarbeitet werden
müssen, lässt sich diese Methode nicht in Anwendung bringen. Dort
führte Durand den nach ihm benannten Ofen ein. Er besteht aus
einer gemauerten viereckigen Kammer von 2 m Seite mit geneigtem
Boden und mit einer gewölbten Verdachung, in deren Mitte sich eine
Oeffnung befindet zur Beschickung und Entleerung des Ofens. In dem
unteren Theile der Vorderwand ist die Ausflussöffnung und auch auf
beiden Seiten befindet sich eine Oeffnung, die eine zum Anbrennen des
Ofens, die andere zur Entfernung der Verbrennungsproducte. In einem
Ofen von dem Inhalte von IV2 Casse nimmt eine Schmelzoperation
(Zeit für Beschickung und Entleerung des Ofens mit eingerechnet)
24 Stunden in Anspruch. Der Process verläuft im Uebngen wie bei
dem Calcarone.
Ein anderer Ofen wurde 1861 von Conrad Hirzel auf der Sol-
fare des Col di Serio (Provinz Lercara) erbaut. Mit Hilfe dieses Apparates,
welchen der Erfinder patentirte, soll die Schmelzung schneller von
statten gehen und jeder Verlust, sei es durch Sublimation, seines durch
Entzündung des Minerals, vermieden werden. Allein der sinnreiche
Apparat ist complicirt und die Erfolge sind meist hinter den Erwar
tungen zurückgeblieben, so dass man nach Verlauf von zwei Jahren
den Hirzel’sehen Ofen wieder verlassen hat. Ein fast gleichzeitig
von Joseph Gill auf der Solfara della Croce (Lercara) eingerichteter
Apparat, welcher die Schmelzung des Schwefels mit Hilfe heisser von
Sauerstoff befreiter Luft bezweckt, sowie ein von Heinrich Keys er
erdachtes System, den Schwefel durch Sublimation in gusseisernen oder
thönernen Retorten zu gewinnen, haben kein besseres Schicksal ge
habt. Letzteres System scheint im besten Falle nur für die Verarbeitung
von sehr reichem Erzpulver (sterri) und dann auch nur zur Fabrikation
von Schwefelblumen dienen zu können.
Auch der 1867 von Henry Condy Bollmann gemachte Vorschlag,
die Schwefelerze auf nassem Wege mit Schwefelkohlenstoff zu ent-
schwefeln, hat keinen Erfolg gehabt. Nach Versuchen, welche 1868