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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
bindung steht. Bevor von oben eine frische Charge Schwefelkies ein 
gebracht wird, gehen die Arbeiter in den Canal und entfernen die aus 
gebrannten Kiese, welche auf den Rosten liegen, durch Auskratzen mit 
langen eisernen Haken. Damit die Leute bei dieser Arbeit nicht vom 
Staub zu sehr belästigt werden, öffnen sie den Schieber, welcher den 
Canal mit dem Schornstein verbindet, so dass ihnen reichlich frische 
Luft zuströmt. Diese Einrichtung gewährt gleichzeitig einen andern 
Vortheil. Könnte man den Luftzutritt zum Ofen hermetisch absperren, 
so wurde man im Stande sein zu verhindern, dass schweflige Säure 
aus dem Ofen entweicht, wenn die Arbeitsthüren des Kiesofens zum 
Einwerfen einer neuen Beschickung geöffnet werden. Da indessen her 
metische Verschlüsse bei Röstöfen nicht anzubringen sind, so kann 
man diese Verluste mit Hilfe des langen Canales zweckmässig vermei 
den Man schliesst die von aussen zum Canal führende Thür möglichst 
dicht und öffnet den zum Schornstein führenden Schieber gerade so 
weit, dass die durch die Undichtigkeiten der Thür eindringende Luft 
unter den Roststäben nach dem Schornstein hinzieht und nicht zwischen 
den Roststäben in den Ofen aufsteigt. Durch zu starken Zug würde 
durch die Arbeitsthüren Luft in den Ofen aspirirt und schweflige Säure 
aus dem Schornstein entweichen. Die Röstung stagnirt also so lange, 
bis die neue Beschickung im Ofen ausgebreitet ist; man schliesst dann 
den Schieber wieder und öffnet die Thür, welche zum Canal führt, so 
weit, als es die gute Abröstung im Kiesofen verlangt. 
In Frankreich hat man seit Jahren drehbare Roststäbe in den Kies 
ofen Bereits im Jahre 1848 waren solche bekannt. Sie sind einestheils 
iur den Arbeiter bequem und bieten andererseits für die Röstung den 
oft ei1 ’ dass bei dem Hin - und Herbewegen der Roststäbe nur die 
unterste Lage der Beschickung ausfällt. Die einzelnen Abtheilungen 
sind meist durch Bogen von einander getrennt; die Oefen gleichen den 
englischen nur ist die Kiesschicht niedriger, da meist reichere, leicht 
entzündliche Erze geröstet werden. 
In Deutschland sind Stückkiesöfen nach französischen, belgischen 
und englischen Mustern in Gebrauch. Eine Combination des französi- 
schen und belgischen Ofens wurde im Jahre 1866 in der chemischen 
4 abrik Rhenania bei Stolberg eingeführt und hat diese Construction 
seither weitere Verbreitung gefunden. Die ausgebrannten Kiese 
werden durch drehbare Roststäbe entfernt, weil nach dem belgischen 
\ erfahren die Arbeiter mit ihren langen Haken leicht in noch schwefel- 
reiche Lagen eindringen und die Abbrände alsdann einen zu hohen 
Schwefelgehalt behalten. Unter den Rosten ist auf der Rhenania der 
lange Canal der belgischen Oefen beibehalten, welcher eine neue Be 
schickung ohne Verlust an schwefliger Säure gestattet. Ausserdem 
erlaubt er unter den Rost bequem einen Wagen zu schieben, in wel 
chen die Kiesabbrände direct einfallen und ohne Umladung abgeführt
	        
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