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Fabrikation der Schwefelsäure.
wickelnden heissen Gase bestreichen dann die mit den Abbränden
bedeckten Platten und bewirken eine Nachröstung.
Im Jahre 1859 wies List 1 ) im Schwefelkies der Grube Sicilia
zuerst Zink nach. P. W. Hofmann 2 ) fand, dass in den Abbränden
der Röstöfen dieses Zink als scbwefelsaures Salz vorhanden ist und
gewinnt dasselbe durch eine methodische Auslaugung. Die hierbei
resultirenden Laugen von 1'25 Yol.-Gew. enthalten, ausser geringen
Mengen Eisenvitriol, fast nur Zinksulfat. Sie werden auf etwa 40° er
wärmt und mit soviel Kochsalz vermischt, dass auf jedes Aequivalent
Zinkvitriol ein Aequivalent Chlornatrium kommt; auf diese Weise erhält
man Laugen von 1*38 Vol.-Gew., aus welchen heim Erkalten Glaubersalz
in solchen Mengen auskrystallisirt, dass dadurch sämmtliche Kosten
gedeckt werden. Die Mutterlauge wird bis 1'60 Vol.-Gew. eingedampft
und das so erhaltene Chlorzink, welches nur noch Spuren von schwefel
sauren Salzen und Eisen enthält, entweder in flüssiger oder fester
Form in den Handel gebracht. Nach Mittheilungen von P. W. Hof-
mann wird in Wocklum aus dem Schwefelkiese der Sicilia in grossen
Quantitäten Chlorzink dargestellt.
Richters 3 ) theilt mit, in wie weit und unter welchen Bedingungen
die Verhüttung so schwefelreicher Erze, wie die Kiesabbrände in Deutsch
land sind, vom chemischen Standpunkte aus gelingen dürfte. In der
That sind mehrfach Versuche gemacht worden, die ausgebrannten
Schwefelkiese zur Darstellung von Roheisen zu verwenden; bis jetzt
hat sich indessen noch keines der besprochenen Verfahren Eingang
verschafft. In England werden die Rückstände der spanischen, portu
giesischen und ein Theil der norwegischen Kiese nach der Röstung
weiter verarbeitet. Wedding und Ulrich haben die Behandlung der
ausgebrannten Kiese in England genau studirt und beschrieben *).
° Das abgeröstete Erz wird von den chemischen Fabriken an die
Kupferhütten geliefert mit einem Durchschnittsgehalte von 3'66 p. C.
Schwefel, 58-25 p. C. Eisen und 4'14 p.C. Kupfer. Dasselbe wird zu
nächst gemahlen, mit 15 bis 20 p.G. Kochsalz gemischt und im Muffel
oder Flammofen einer chlorirenden Röstung unterworfen. Die dabei
sich entwickelnden Gase werden in einem Cokethurm, durch welchen
Wasser strömt, condensirt und so ein Gemenge von Salzsäure und
Schwefelsäure gewonnen. Durch die Röstung ist das Kupfer in lös
liches Chlorid übergeführt worden, welches durch Wasser und dann
durch die Säure aus dem Condensationsthurm extrahirt wird. Das
Kupfer wird alsdann mit Eisen ausgefällt. Nach neunmaligem Auslaugen
enthalten die Rückstände nur noch 0’08 bis 0’2 p.C. Kupfer und 0 16
i) List, Technisch-chemische Mittheilung, Hagen 1859. ) P W. H of
mann, Privatmittheilung. 3 ) Richters, Dingl. pol. J- CXCIX, 292.
i) Wedding u. Ulrich, Zeitschr. Berg- u. Hütten- u. Sahnenw. im preuss.
Staate XIX,. 298.