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Gruppe III. Chemische Industrie.
bis 0 25 p. C. Schwefel, und werden meist als sogenanntes puvple OTG
oder llue Mlly im Hochofen auf Eisen verschmolzen. Ein Theil findet
zum Ausfüttern der Puddelöfen Verwendung und ein anderer kleiner
Theil wird mit Kohle zu Eisenschwamm reducirt und zur Kupferfällung
in den Laugen benutzt.
Claudet ) liess sich in England ein Verfahren patentiren, um
durch Fällung mit Jodkalium aus den Laugen das Silber zu gewinnen,
welches als Chlorsilber in Salzlaugen gelöst ist. Sein Verfahren lässt
sich noch auf Erze anwenden, die nicht mehr als 0’027 p. C. Silber
enthalten. Die bei der Extraction der gerösteten Kiese mit Wasser
entstehenden Laugen nehmen 95 p. C. des ganzen Silbergehaltes auf;
aus diesen Laugen wird das Silber niedergeschlagen und aus einer
Tonne Erz etwa 1L6 g gewonnen. Der Reingewinn beziffert sich auf
2 Shilling pr. Tonne Erz, was für die Kupferhütte in Widnes 60 000 Rmk.
fürs Jahr ausmacht.
Als die Kohlen in Lancashire 5 Shillinge die Tonne kosteten, fällte
Phillips 2 ) aus den Laugen nach der Kupferextraction das Eisen aus
und stellte durch Verdampfung ein schönes Glaubersalz aus denselben
dar. Bei den jetzigen Kohlenpreisen ist diese Fabrikation eingestellt
worden.
Die chemischen Fabriken zu Aussig und zu Griesheim hatten
in Wien Thallium in grossen Quantitäten ausgestellt. Dieses von
Crookes und Lamy entdeckte Metall wird aus dem beim Verbrennen
von Schwefelkies entstandenen Flugstaub dargestellt, welcher sich in
den Canälen zwischen Röstofen und Bleikammer absetzt. Max Schaff
ner j ) hat das V erfahren beschrieben, nach welchem in Aussig Thallium
dargestellt wird. Man kocht den Flugstaub in mit etwas Schwefel
säure angesäuertem Wasser zu wiederholten Malen aus und fällt aus
der filtrirten Lösung mit Salzsäure das Metall als noch unreines Thallium-
chloriu. Der Niederschlag wird mit kaltem Wasser ausgewaschen und
durch Erhitzen mit concentrirter Schwefelsäure in Thalliumsulfat ver
wandelt. Das Schwefelsäure Salz wird dann in Wasser gelöst, filtrirt
und nun abermals mit Salzsäure versetzt, wobei dann ziemlich reines
Chlorthallium ausfällt. Dieses Chlorür wird dann wieder mit Schwefel
säure behandelt und das schwefelsaure Salz mit reinem metallischem
Zink leducirt. Der auf diese Weise erhaltene Metallschwamm wird
mit ausgekochtem Wasser ausgewaschen, zwischen Fliesspapier getrocknet
und im Porcellantiegel über der Gaslampe eingeschmolzen, indem man
Leuchtgas oder Wasserstoff in den Tiegel leitet.
') Claudet, Chem. News 1871, 184. 2 ) Privatmittheilung. 3 ) Schaff
ner, feitzb. d. k. Akad. d. Wissensch. 53. Februarheft; Wagn. Jahresber.
1871, 1,