Sauerstoff. 3
verbessertes Lötkrohr zu construiren, in welchem der Sauerstoff den
Wasserstoff umgebe, und so entwickelte sich der Plan zu dem Knall
gasgebläse, welches seither in der Platinindustrie und der Bleilöthung
so wesentliche Dienste geleistet hat.
Die Anwendung des Sauerstoffes zum Schmelzen des Platins ruhte,
bis Deville und Debray 1857 bis 1859 und in den folgenden Jahren
ihre ausgezeichneten Untersuchungen*) über die Platinmetalle ver
öffentlichten und die Platinschmelzung in die Industrie einführten. Die
Selbstlöthung des Platins und die Herstellung geschmolzener Barren ward
im grossartigen Maassstabe zuerst von Johnson, Mathey&Co. in Lon
don, in Deutschland auch vonHeraeusin Hanau fabrikmässig ausgeführt.
Debray’s und Deville’s Versuche hatten vor Allem die Auffin
dung eines widerstandfähigen Materials zur Folge, um Oefen und
Tiegel daraus zu formen. Als solches bot sich ihnen der Aetzkalk dar,
welcher noch den ferneren Vortheil hatte, die Hitze möglichst vollstän
dig zurückzuhalten. Ferner vermehrten sie die Hitze dadurch, dass
sie die Flamme von oben direct auf die Oberfläche des Metalles lei
teten und bestimmten die theoretisch und praktisch nothwendige Menge
von Sauerstoff und Wasserstoff dahin, dass, um 2 Kg Platin zu schmel
zen nach der Rechnung 55 1 Sauerstoff und 110 1 Wasserstoff erforder
lich seien, während wirklich mehr als 1 Kg damit geschmolzen wird, so
dass (ein sehr günstiges Resultat) nicht 50 p.C. der erzeugten Wärme
verloren gehe. Für die Geschichte der Sauerstoffindustrie aber waren
ihre Versuche von grosser Wichtigkeit, weil sie die Veranlassung gaben,
den Preis der Darstellungsmethoden zu vergleichen und nach wohl
feileren Wegen zu suchen. Wir können dieselben eintheilen in chemische
und in mechanische und die chemischen wiederum in unterbrochene
und continuirliche Processe. — Bis um diese Zeit waren folgende Dar
stellungsweisen üblich gewesen oder vorgeschlagen worden: zunächst
die älteste Methode Priestley’s, das Erhitzen von Quecksilberoxyd,
selbstverständlich die kostspieligste und für die Technik am wenig
sten geeignete, dann Scheele’s Methode, Behandeln von Braunstein
mit Schwefelsäure, die schwefelsaures Manganoxydul und Sauerstoff
liefert, und für Darstellungen im Grossen seit Berthier’s Untersuchun
gen (1822) durch einfaches Glühen von Braunstein verdrängt wurde;
endlich das Erhitzen des chlorsauren Kaliums. Die letztere hat sich
für Darstellungen im Laboratorium trotz ihrer Kostspieligkeit ein
gebürgert, weil sie bequem ist und geringe Wärmezufuhr verlangt,
*) DevilleundDebraj' 1859, Ann.chim.phys. [3] LVI, 385, Dingl. pol. J.
CLIV, 130, 199, 287, 383; im Auszug Ann. Chem. Pharm. CXIV, 78. In
gedrängter Darstellung Anden sich besonders die über die Herstellung hoher
Temperaturen gewonnenen Resultate in Debray, Sur la production des
temperatures 41ev£es et sur la fusion du platine, in denLegons de. Chimie
professöes en 1861. Paris, Hachette 1862.
1*