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Ammoniak und Ammoniaksalze.
Voran stehen noch immer die sogenannten Ammoniak- oder Gas
wasser der Steinkohlengasfabriken, denen gegenüber alle übrigen von
der Industrie - ' ausgebeuteten Quellen vollständig verschwinden.
Die Quantität der Ammoniaksalze, welche aus den Nebenproducten
der Blntlaugensalzfabrikation, der Beinschwarzbrennereien, aus gefaul
tem Harn etc. dargestellt wird, bildet nur einen sehr kleinen Bruch-
theil der Gesammtproduction.
An Vorschlägen, neue Ammoniakquellen zu erschliessen, hat es
allerdings nicht gefehlt. So hat sich Hunt l ) in England ein Ver
fahren patentiren lassen, mit Hilfe dessen er Salmiak gewinnt durch
Ueberleiten einer Mischung von Salzsäure und Stickstoff (oder Luft)
über glühenden Coke, den man mit Eisenchlorid oder Manganchlorür
imprägnirt hat. Es ist dies nichts Anderes, als die Auffrischung
eines schon vor 18 Jahren von B. Wagner 2 ) gemachten Vorschlags;
der einzige Unterschied ist der, dass Hunt Mangansalze anwenden
will, während R. Wagner ein Salz des Magnesiums in Vorschlag ge-
gebracht hatte. Industrielle Bedeutung hat der angeregte Process bis
jetzt nicht gewonnen. Dasselbe gilt von einem Verfahren, welches
Hutchinson 3 ) für die Darstellung von Ammoniakverbindungen in
Aussicht genommen hat und welches darin besteht, dass die stickstoff
haltigen Abfälle der Stärkefabriken in Retorten mit Kalk oder kausti
schem Natron destillirt werden sollen. An dieser Stelle muss auch
noch kurz der Methode gedacht werden, mittelst deren Coste und
Paupin de Rosnay 4 ) den Ammoniakgehalt der Canalwasser (Schleusen
wasser) ausbeuten wollen. Diese Wasser sollen mit Magnesia und einem
löslichen Phosphat versetzt, die niedergeschlagenen unlöslichen Ammo
niummagnesiumphosphate gesammelt, getrocknet und in Retorten mit
Kalk geglüht werden. Das sich entwickelnde Ammoniak würde in
Säure geleitet werden, während dejr Rückstand als Dünger Verwerthung
fände. Aber auch in diesem Falle ist man über das Stadium der V er
suche kaum hinausgelangt.
Darstellung des Ammoniaks ans Gaswasser. Das Ammo
niak- oder C|aswasser, welches sich theils in den Condensatoren, theils
in den Waschapparaten der Steinkohlengasfabriken ansammelt, besteht
aus einer Lösung von flüchtigen und fixen Ammoniakverbindungen in
sehr veränderlichem Verhältniss. Die ersteren bestehen aus Schwefel
ammonium, Ammoniumcarbonat und freiem Ammoniak; die letzteren
hauptsächlich aus den Ammoniumsalzen der Rhodanwasserstoff- und
unterschwefligen Säure neben Spuren von Ammonium-sulfat und -chlond.
1) Hunt, Chem. News 1864, IX, 32. 2 ) R. Wagner, Wagn. Jahresher.
1856 83 und 1857, 122. 8 ) Hutchinson, Chem. News 1864, IX 31.
4 ) Coste et Paupin de Rosnay, Ann. d. gönie civil 1867, 807 ; Momt.
scientif. 1868, 516; Deutsche Industriezeitung 1868, 298.
Wiener Weltausstellung. III.
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