Ammoniak und Ammoniaksalze.
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erwärmte Flüssigkeit Luft einbläst (J. Braby 1 ) und J. Baggs.) Einige
englische Fabrikanten bedienen sich ähnlicher Apparate wie die Scrub-
bers der Gasfabriken, in denen das Gaswasser von oben einfliesst,
während der gespannte Dampf von unten aufsteigt, ein Verfahren,
welches insofern zu beanstanden ist, als solche Fabriken Kalk entweder
gar nicht oder doch nur in sehr unzweckmässiger Weise zur Anwen
dung bringen können 2 ).
In der Fabrik von van der Eist und Matthes in Amsterdam
werden die Gaswasser der meisten holländischen Gasanstalten, welche
dem Etablissement in besonders construirten Barken auf den zahlreichen
Canälen zugehen, in folgender Weise auf Ammoniumsulfat verarbeitet.
Die Wasser werden aus eisernen Destillirgefässen, welche 35 bis
50 Hl Flüssigkeit fassen, durch gespannten Dampf destillirt, welcher von
fünf Dampfkesseln von je 30 Pferdekräften geliefert wird. Die Destil-
lirkessel stehen in gleicher Höhe und bilden jedesmal paarweise einen
Apparat, aus welchem man, da die Kessel durch Wechselhähne in Ver
bindung stehen, alternirend destilliren kann.
Die flüchtigen Ammoniakverbindungen werden zunächst ohne
Kalkzusatz abdestillirt, alsdann wird die zur Zersetzung der fixen
Ammoniaksalze nöthige Menge Kalkmilch durch Dampfdruck eingeführt.
Die Destillationsproducte gelangen zuerst in einen Sammelapparat, und
von hier, durch fünfzöllige (13 cm) Ventilhähne abwechselnd in grosse
Schwefelsäurerecipienten, in welchen das Ammoniak, da die Hähne
gestatten, die Producte beliebig aus dem einen in den anderen Beci-
pienten zu leiten, ohne den geringsten Verlust absorbirt wird.
i) J. Braby, Chem. News XX, 182. 2 ) Die folgende Beschreibung
des in der Fabrik der Herren J affe u.D arm Städter in Berlin zur Salmiakgeist-
fabrikation augewendeten Apparates verdankt der Herausgeber Hrn. Dr. L.
Darmstädter. Derselbe besteht aus drei übereinanderliegenden Kesseln
von circa 50 Hl Inhalt, von denen die beiden untersten durch directe Feue
rung erhitzt werden und mit Rührwerken zur innigen Mengung des Kalkes
mit dem Gaswasser und Verhütung des Anbrennens des Kalks versehen sind.
Der oberste Kessel dient als Vorwärmer und gewissermaassen als Dephlegmator.
Vom dritten Kessel wird das Gas zur Entfernung des noch beigemengten
Wasserdampfs durch ein möglichst ausgedehntes, am besten 20 bis 25 m
langes System von Li ebig’sehen Kühlern geführt und' gelangt von da end
lich in die Waschflaschen und Condensationsapparate, die unter sich wieder
durch mit Holzkohle gefüllte Rohre verbunden sind, welche etwaige Reste
von Empyreuma entziehen sollen. Durch genügende Länge der Rohrleitung
und Einschaltung mehrerer Waschflaschen gelingt es, einen völlig chemisch
reinen Salmiakgeist zu erzielen. Bei der Darstellung des Salmiakgeists ist
es selbstverständlich erforderlich, die ganze Menge des zur Zersetzung nöthigen
Kalks vor Beginn der Operation in die Kessel einzubringen, da sonst leicht
eine Verunreinigung des Prodnctes durch flüchtige Ammoniakverbindungen
(Schwefelammonium, Ammoniumcarbonat) stattfinden würde.
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