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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Salpetersäure und ihre Salze. 
arbeitet in offenen viereckigen Behältern, die besser eingerichteten 
aber in geschlossenen eiförmigen Kesseln, welche mit zwei beweg 
lichen Deckeln versehen sind, von denen der obere zum Einfüllen 
des Caliche, der untere zum Entleeren des erschöpften Minerals dient. 
Die Masse ruht auf einem durchlöcherten Boden, der in ungefähr Y4 
der Höhe des Kessels angebracht ist und aus vier in Angeln beweg 
lichen Stücken besteht. Die Kessel werden mit dem zerkleinerten 
Rohmaterial in ihrer ganzen Höhe, mit Mutterlauge zur Hälfte angefüllt 
und durch directen Dampf erhitzt, welcher aus vier bis unter den fal 
schen Boden reichenden Röhren einströmt. In l 1 ^ bis 2 1 / 1 Stunden ist 
die Flüssigkeit genügend mit Salpeter gesättigt und wird in Klärbottiche 
ahgelassen; nach mehrstündiger Ruhe fliesst die klare Lauge in flache 
Krystallisirgefässe, die an einem möglichst freien, dem Winde zugäng 
lichen Orte angebracht sind. In neuester Zeit hat man noch einen 
zweiten Klärbottich eingeschaltet, worin die Lauge circa 1 / i Stunde 
bleibt, um das mechanisch suspendirte Kochsalz abzusetzen, ehe sie in 
die Krystallisirgefässe gelangt. 
Der in dem Siedekessel bleibende Rückstand, welcher noch zwischen 
15 und 35 p.C. Natriumsalpeter enthält, wird entweder sofort entleert 
oder noch mit Brunnenwasser ausgekocht. Das Entleeren der geschlos 
senen Kessel geschieht einfach durch Herablassen des unteren Bodens, 
wodurch der Rückstand in untergeschobene Wagen fällt, in denen er 
aus der Fabrik weggefahren wird. Die in den Krystallisirgefässen abge 
schiedenen Salpeterkrystalle werden nach dem Abtropfen der Mutter 
lauge auf einer grossen dem Luftzuge ausgesetzten Fläche (Cencha 
genannt) in Schichten von 30 bis 50 cm Dicke ausgebreitet und unter 
häufigem Umarbeiten getrocknet. Die Gesammtkosten für 1 Centner 
Chilisalpeter bis zur Einfuhr nach Europa berechneten sich im Jahre 
1871 nach Langbein durchschnittlich: 
Productionskosten 3'25 Rmk. 
Transport zum Hafen. . . . 2‘40 „ 
Verschiffungskosten 0'25 „ 
Fracht nach Europa .... 2 75 „ 
Kosten daselbst . 0 25 „ 
v. 8’90 Rmk. 
W. Lloyd 1 ) berechnete im Jahre 1868 die Darstellungskosten 
auf 8-40 Rmk. pr. Centner, die Preiserhöhung trotz des verbesserten 
Reinigungsverfahrens hat ihren Grund in der enormen Steigerung der 
Arbeitslöhne und der Frachten nach dem Hafen Iquique. Obgleich 
die Salpeterdistricte seit einigen Jahren durch eine Eisenbahn mit dem 
i) Lloyd, Wagn. Jaüresb. 1869, 247.
	        
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