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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

Salpetersäure  und  ihre  Salze.  203
Oxydation  zur  Bildung  von  salpetersaurem  Natrium  Veranlassung  gegeben ­
  haben.
Für  die  Richtigkeit  seiner  Ansicht  führt  Nöllner  noch  das  constante
  Vorkommen  von  Jod  in  dem  Salpeter  an  und  schliesst  daraus,
dass  dieselben  nur  den  stickstoffhaltigen  Jodsammlern  des  Meeres,  den
Seetangen,  ihren  Ursprung  verdanken  können.  Die  geographische  Lage
der  Salpeterlager  stimmt  in  der  That  sehr  gut  mit  dieser  Theorie,  da
an  der  dortigen  Küste  vom  Meer  herkommende  Westwinde  vorherrschend ­
  sind,  deren  Wirkung  noch  durch  die  längs  der  Küste  gehende
Meeresströmung  unterstützt  wird.  Wenn  diese  Westwinde  nur  einigemal ­
  in  Jahrhunderten  als  heftige  Orkane  auftraten  und  von  der  ungeheuren ­
  Fläche  des  grossen  Oceans  colossale  Massen  von  Tangen  und
anderen  Seepflanzen  auf  das  Land  warfen,  welches  gänzlich  regenlos  ist
und  aus  einer  dürren  Ebene  oder  hügelig  aufgeschwemmtem  Land  besteht,
so  musste  sich  genau  eine  solche  Zone  von  Meerespflanzen  bilden,  wie
sie  die  Salpeterlager  in  Peru  heute  darstellen.  Man  muss  allerdings
dabei  annehmen,  dass  der  gebildete  Salpeter  durch  vulcanische  Erhebungen ­
  oder  Zurücktreten  des  Meeres  dem  Einfluss  der  Wogen  entzogen
worden  ist.  Der  geringe  Kaliumgehalt  des  Lhilisalpeters  entspricht
der  Kalimenge  in  den  Seepflanzen  und  das  constante  Vorkommen  von
Boronatrocalcit  erinnert  an  die  borsäurehaltigen  Mineralien  m  Steinsalz- ­
  und  Chlorkaliumlagern.

Kaliumnitrat.  Zu  der  Fabrikation  von  Schiesspulver  lässt  sich
das  Natriumnitrat  wegen  seiner  hygroskopischen  Eigenschaften  nicht
gebrauchen,  es  muss  zu  diesem  Zweck  in  Kaliumnitrat  umgewandelt
werden,  und  es  sind  in  den  letzten  Jahrzehnten  grosse  Fabriken  entstanden, ­
  welche  sich  mit  der  Darstellung  dieses  im  Gegensatz  zu  dein  natürlichen ­
  Kaliumsalpeter  sogenannten  Conversionssalpeters  beschäftigen.
Die  fabrikmässige  Darstellung  des  Conversionssalpeters  scheint
ziemlich  gleichzeitig  von  Wöllner  »),  Grüneberg  *)  und  Nöllner*)
in  der  Mitte  der  fünfziger  Jahre  ausgeführt  worden  zu  sein,  als  in
Folge  des  Krimkrieges  plötzlich  bedeutende  Nachfrage  nach  Kalisalpeter
eintrat.  Bis  zu  dieser  Zeit  lieferten  Indien  und  die  heimischen  Salpeterplantagen ­
  den  ganzen  Bedarf  der  Schiesspulverfabriken.  Die  Ausfuhr
von  indischem  Salpeter  hat  m  den  letzten  Jahren  abgenommen;  die
Fabrikation  von  einheimischem  Salpeter  ist  in  England,  Frankreich  und
Deutschland  ganz  eingegangen  und  wird  nur  noch  in  Schweden,  Russland ­
  und  Spanien  in  kleinem  Maassstabe  fortbetrieben.
Die  jetzt  wohl  ausschliesslich  angewendete  Methode  zur  Darstellung

1)  Wöllner,  Polyt.  Notizbl.  1860,  49;  Wagn.  Jahresber.  1860,  204  und
H.  Grüneberg,  Wagn.  Jahresber.  1869,  248.  2 )  H.  Grüneberg,  Polyt.
Centralbl.  1868,  968;  Wagn.  Jahresber.  1868,  288.  8 )  C.  Nöllner,  Polyt.
Notizbl.  1867,  Nro.  24,  370;  Wagn.  Jahresber.  1868,  288,
            
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