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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Salpetersäure und ihre Salze. 
gefässe dahin abgeändert, dass sie zwei Krüge derart auf einander 
setzen, dass der obere wie ein Trichter in die mittlere Oeffnung des 
unteren eingepasst ist, die sich verdichtende Säure fliesst in das untere 
Gefäss und von da durch einen eingekitteten Heber direct nach einem 
grossen Sammelgefäss. Am -Ende des Condensationsapparates sind 
dann noch mehrere mit Bimsteinstücken gefüllte Krüge auf einander 
gestellt, in welchen durch einfliessendes Wasser die Untersalpeter 
säure verdichtet wird. 
Wenn man ungefähr gleiche Aequivalente Schwefelsäure und 
Chilisalpeter anwendet, so wird, wie bereits bemerkt, das zurückbleibende 
Natriumsulfat so dickflüssig, dass es nicht ausfliessen kann; die vordere 
Grundfläche des Gusscylinders wird dann mit einer Gussplatte ge 
schlossen, welche auf der inneren Seite durch eine Thonplatte geschützt 
sein muss; zur Dichtung der Gussplatte nimmt man mit Pferdemist 
angemachten plastischen Thon, da Eisenkitt zu fest wird. Auf den Boden 
des Cylinders legt man vor der Beschickung einige Prismen von Gusseisen 
mit scharfen Kanten, an welchen sich der erkaltete Kuchen von Nätrium- 
sulfat bricht und so leicht in Stücken herausgezogen werden kann. 
Anstatt der Cylinder haben manche Fabriken gusseiserne Tröge, 
deren Seiten mit Sandsteinplatten oder Mauersteinen bekleidet und 
die oben ebenfalls mit einer Sandsteinplatte oder einem doppelten 
Gewölbe geschlossen sind; diese Form ist weniger zweckmässig, der 
Aufwand an Brennmaterial ist grösser und die Apparate selbst werden 
leichter von der Salpetersäure angefressen. Geeigneter noch ist ein 
grosser Kessel von Gusseisen, der oben eine weite Oeffnung hat, durch 
welche Chilisalpeter und Schwefelsäure eingebracht werden; diese 
Oeffnung ist während des Feuerns mit einem Gussdeckel geschlossen, 
und der Kessel- so eingemauert, dass er ringsum auch über dem Deckel 
der Flamme ausgesetzt ist. Die Salpetersäure gelangt in die Conden- 
sationsgefässe durch einen angegossenen Hals, welcher im Innern mittelst 
eines Thonrohrs gegen die Wirkung der Säure geschützt ist. Das Sulfat 
wird durch ein am Boden angegossenes Rohr abgelassen. Das flüs 
sige Sulfat wird am besten in eiserne Kästen, die auf kleinen Wagen 
stehen, abgezogen und sogleich weggefahren. Nach dem Erkalten wird 
das Salz in Stücke gebrochen und durch Glühen mit Kochsalz auf 
neutrales Natriumsulfat zur Sodafabrikation verarbeitet. 
Die erhaltene Salpetersäure ist stets von Untersalpetersaure mehr 
oder weniger gelb gefärbt und enthält eine dem Chlorgehalt des ange 
wendeten Chilisalpeters entsprechende Menge Salzsäure, ausserdem häufig 
noch kleine Mengen von Schwefelsäure, schwefelsaurem Natrium, Eisen 
oxyd und Spuren von Jod. Zur Darstellung einer chemisch reinen 
Salpetersäure destillirt man am besten das vierfache Hydrat der 
Salpetersäure von P42 Vol.-Gew. (43» B.) aus Glasgefässen und fängt 
die zuerst übergehende Flüssigkeit so lange für sich auf, als Silberlosung 
Wiener Weltausstellung. III.
	        
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