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Gruppe III. Chemische Industrie.
Harcourt 1 ) und Siewert 2 ) wenden Zink und Eisenfeile, Bunsen 3 )
eine Zinkeisenspirale, Chapmann 4 ) Blattaluminium an. In allen
Fällen wird das gebildete Ammoniak durch Abdestilliren isolirt und
bei grösseren Mengen mit titrirter Schwefelsäure bestimmt, bei sehr
kleinen Mengen colorimetrisch mittelst der Nessler’schen Probe ge
messen. Nach Frühling’s 5 ) Angaben, die Tiemann bestätigt, geben
die auf diesem Princip beruhenden Methoden bei Anwesenheit von
organischen Substanzen unrichtige Resultate. Finkener 1 ) hat ge
funden, dass zwar alle Salpetersäure zersetzt, jedoch in keinem Falle
der Stickstoff vollständig in Ammoniak übergeführt werde.
II. Bestimmung der Salpetersäure durch Reduction zu Stickoxyd
und Wiederüberführung desselben in Salpetersäure. Diese zuerst von
Schlösing 6 ) vorgeschlagene, später von Reichardt 7 ) modificirte
Methode beruht auf der Reduction der Salpetersäure zu Stickoxyd durch
Einwirkung von Eisenchlorür und Salzsäure, Oxydation des Stickoxyds
mittelst Sauerstoff und Wasser zu Salpetersäure und Titriren derselben
mit verdünnter Natronlauge. Schlösing fängt das Stickoxydgas
über Quecksilber auf, während Reichardt die leichter zu beschaffende
Natronlauge anwendet, welche nach seinen Versuchen nur verschwindend
kleine Mengen von Stickoxyd absorbiren soll.
III. Methoden, welche die Salpetersäure durch Messen des daraus
dargestellten Stickoxyds bestimmen. Walter Crum 8 ) sowie Frank
land und Armstrong 9 ) zersetzen die Nitrate in sehr concentrirter
Lösung durch einen Ueberschuss von eoncentrirter Schwefelsäure und
reduciren die in Freiheit gesetzte Salpetersäure durch Schütteln mit
Quecksilber zu Stickoxyd, welches nach Walter Crum in der Zer
setzungsröhre, nach Frankland und Armstrong in einem gaso-
metrischen Apparat gemessen wird.
Fr. Schulze 10 ) wendet wie Schlösing zur Zersetzung der Nitrate
Salzsäure und Eisenchlorür an und fängt das beim Erwärmen frei
werdende Stickoxyd über feuchtem Quecksilber auf, das sodann dem
Volum nach bestimmt wird. Diese Methode, welche nach den Angaben
von Wulfert 11 ) und Tiemann sehr genaue Resultate giebt, ist von
Tiemann 12 ) in der Weise modificirt worden, dass statt Quecksilber
concentrirte Natronlauge als Sperrflüssigkeit angewendet wird.
i) Harcourt, Chem. Soc. J. XV, 385. 2 ) Siewert, Arm. Chem.
Pharm. CXXV, 293. 3 ) Bunsen, Zeitschr. f. analyt. Chem. 1870,
414. 4 ) Chapmann, Sutton’s Volum/ Analysis, Sec. Ed. 280.
' 6 ) Frühling , Landwirthsch. Versuchsst. VIII, 473. 5 ) Rose, Analyt.
Chem. 6. Aufl. II, 829. 6 ) Schlösing, Ann. chim. phys. [3] XL, 479;
Journ. f. prakt. Chem. LXII, 142. 7 ) Reichardt, Zeitschr. f. analyt.
Chem. 1870, 24. 8 ) Walter Crum, Ann. Chem. Pharm. LXII,
233. 9 ) Frankland, Chem. Soc. J. [2] V, 6, 77. 10 ) Schulze, Zeitschr
f. analyt. Chem. 1870, 401. n ) H. Wulfert, Dissert.-Sehr. d. phil.
Fac. Rostock. 12 ) Tiemann, Ber. Chem. Ges. 1873, 1041.